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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-05-01 · 2 (5.1919) · p. Seite 97

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
2 (5.1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 97 (sequence 73)
Language
German
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97. wohnen und nunmehr unter polnische Herrschaft kommen werden und dann alle Vorzüge der polnischen Juden mitgenießen sollen. DaS können Ihre Brüder, Ihre nächsten Verwandten sei». Kenn die daS dann am eigenen Leibe spüren und Sie indirekt mit, dann werden Sie für diese Frage vielleicht ein anderes Verständnis gewinnen als so, wo Sie alle pathetisch sagen: Ja, gewiß, wir haben für die Ostjuden etwas übrig, aber im übrigen -beschränken Sie sich auf diese Sympathieerklärungen. Deswegen begrüße ich den Antrag, aus unserer Mitte eine besondere Palästinakommission einzusetzen, die mit und neben der zionistischen Organisation alle die Dinge bearbeiten soll mit aller Wärme. In dieser Kommission wäre nicht nur diese Frage zu erörtern, sondern es wären auch Fragen einzubeziehen, die uns in weitestem Umfange interessieren; Tie Berufsumschichtung der jüdischen Jugend, die auch ^indirekt damit zu tun hat, die Beschaffung von Lehrstellen für jüdische Handwerker, die Beschaffung von Mitteln zur Errichtung von weiteren “ Gartenbauschulen ä la Ahlem und Erweiterung dieser Anstalt, die Errichtung von Lehrgütern zur Beschaffung der Heranbildungsmög- ~ lichkeiten für Landarbeiter. Für alle diese Dinge würden auch aus der Reihe der deutschen Juden reiche Mittel fließen, weil sie damit wirklich positive Arbeit leisten. Ich habe in der Sammeltätigkeit an meinem Platze eine reiche Erfahrung gewonnen. Als Zionist wird man ja von vornherein nicht sehr angenehm begrüßt und trotzdem habe ich immer große Mittel für jüdische Zwecke mobil machen können. In dieser Beziehung bin ich ein Enthusiast und Optimist von reinstem Wasser. Ich glaube, wenn wir mit diesen positiven Vorschlägen an die deutsche Judenheit herantreten, dann auch große Mittel für diese Zwecke beschaffen zu können. Ich resümiere meine Ausführungen dahin: 1. Der Verband der jüdischen Jugendvereine hat jede Durchbrechung seines Neutralitätsprinzips in jeder Form abzulehnen, 2. er ’ fordert die Einberufung eines jüdischen Kongresses, der alle in Deutschland lebenden Juden, eventl. unter Ausschluß der dauernd fluktuierenden ausländischen Elemente — darüber könnte man reden — umfaßt und der jüdischen Inhalt hat und als Mindestprogramm die auch vom Centralverein akzeptierten 6 Punkte umfaßt. 3. Der Verband erklärt sich zur Mitarbeit am Aufbau eines jüdischen Palästinas bereit durch Hergabe von Geldmitteln. Wirkt der Verband in diesem Sinne, arbeitet er an der Demokratisierung und Verinnerlichung des jüdischen Lebens in Deutschland, erhöht er in unserer Jugend das Derantwortlichkeitsgefühl für die Mitarbeit an den großen jüdischen Gegenwartsproblemen, so braucht uns um seine Zukunft nicht bange zu sein. Lut er das nicht, beteiligt er die jüdische Jugend nicht an der Renaissance des! Judentums, die mit ihm und ohne ihn auf dem Märsche ist, dann hat er seine Blüte hinter sich und die Erneuerung des jüdischen Lebens wird sich ohne ihn und gegen ihn vollziehen. Denn wenn Neutralität In-

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