Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 2 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 96 (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
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96 Vorsitzender Dr. Äpfel: Wir dürfen unsere Tagung nicht zur Farce ausarten lassen. Wir sind doch keine Kinderversammlung. Wer ist gegen den Antrag Oppenheimer? (Die Abstimmung erfolgt.) Der Antrag ist abgelehnt. (Widerspruch!) Ruhig Blut! Stimmen wir noch einmal ab. (Zuruf: Es fehlt nur noch namentliche Abstimmung.) Wer für 9 Minuten weitere Redezeit für Wolfheim ist, den bitte ich, die Hand zu erheben. (Die Abstimmung erfolgt.) Wer ist dagegen? (Die Gegenprobe erfolgt.) Ich schlage Ihnen vor, Herrn Dr. Wolsheim noch etwas sprechen zu lassen, ihn aber zu bitten) sich möglichst zu konzentrieren. (Zustimmung.) - Dr. Wolfheim-Erfurt: Ich habe mich gefreut, das wirklich die Zeichen der Zeit verstehende grundlegende Referat von Dr. Apfel über die Kongreßfrage zu lesen und möchte Ihnen einen Abschnitt daraus lesen. Wenn wir den Kongreß in Teutschland bekämen, dann würde er in starke, sich gegenüberstehende Fraktionen, wie jedes Parlament zerfallen. Man müßte versuchen, zu erreichen, daß die nichtzionistische Fraktion die Mehrheit behielte und immer vergrößerte. In diesem Kongreß würde sehr gekämpft werden; ich habe aber nicht den leisesten Zweifel, daß, wenn Frauen und Männer von wirklicher Bedeutung und erfüllt vom Bewußtsein jüdischer Würde hineingewählt werden, er durch die demokratische Siebung der Kandidaten, durch den geistigen Kampf, durch das Aufrlltteln der Geister, durch die Befruchtung der zum Teil noch schlafenden Massen der deutschen Juden ,eine außerordentliche Wirkung nach innen und außen Hervorrufen würde. Wir hätten dann die ersehnte Gesamtrepräsentanz des deutschen Judentums, aus uns selbst geschaffen, nicht gnädigst gewährt, wir hätten eine Körperschaft, die nicht nur unser Bruder-■ gefühl, sondern uns auch im Kampfe gegen den Antisemitismus, der nie so heftig und gefährlich war, wie heute, stützen würde. Vor allem böte ein solcher Kongreß die Chance, die drohende Isolierung des deutschen Judentums zu verhindern. Er würde Schwächen der Position des deutschen Judentums bemänteln und beheben; er würde der sich immer deutlicher ankündigenden Aenderung seiner sozialen Struktur bei Zeiten gerecht werden. All das können wir auch unterschreiben, denn wir scheuen den Kampf nicht. Also deswegen möchte ich Sie bitten, sjch energisch , für die Kongreßbewegung einzusetzen. Jetzt möchte ich zur Palästinafrage kommen. Diese Palästinafrage hat für uns doch nicht bloß eine weitgehende historische Bedeutung, sondern sie geht doch auch sehr diejenigen von uns an, die während des Krieges mit den Ostjuden in Berührung gekommen sind- und die nicht bloß mit den Augen des Westeuropäers dahingekommen sind und.sich an Aeußerlichkeiten stoßen. Alle diese werden sagen, daß es sich lohnt, diesen jüdischen Massen ein menschenwürdiges Dasein zu verschaffen. Diese Frage wird noch viel brennender für unsbezüglich derjenigen deutschen Juden» die in unseren Ostprovinzerr