Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 2 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 87 (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
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87 kussion stehendes wichtiges Prinzip abstimmen. (Sehr richtig!) Falls Herr Dr. Löffler nicht die Liebenswürdigkeit hat, diesen Antrag zurückzustellen, möchte ich den Herrn Vorsitzenden bitten, ihn nicht zur Abstimmung zu bringen, weil er geschäftsordnungsmäßig unzulässig ist. Dr. Hirsch-Gera (zur Geschäftsordnung): Durch die Worte des Herrn Vorredners hat sich mein Einwand gegen diesen Antrag vollkommen erledigt, da ich genau dieselben Worte gesagt hätte. Wir können über diesen Antrag nicht innerhalb der Debatte abstimmen. Vorsitzender Dr. Apfel: Also wir kommen nunmehr zur Abstimmung. (Dr. Löffler: Ich ziehe meinen Antrag zurück! Beifall.) ES liegt ein Antrag Elberfeld, unterzeichnet von Hans Fische!, Frl. Hilde Salomon, Frl. Fina Haas und Referendar Israel, vor: „Der Delegiertentag wolle beschließet: Sollte die neue Fassung des Antrages Dr. Apfel abgelehnt werden, so muß es den einzelnen Vereinen überlassen bleiben, ihren Statuten eine Fassung zu geben, die dem Sinne nach dem Anträge Dr. Apfel entspricht, ohne aus dem Verbände ausgeschlossen zu werden." Das Wort hat jetzt Herr Justizrat Dr. Brodnitz-Berlin, Vertreter des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Justizrat Dr. Brodnitz-Berlin: Meine Damen und Herren! Wenn ich hier angeUindigt worden bin als Vertreter des Zentralvereins, so ist dies nur bedingt richtig. Ich benutze diese Ankündigung gern, um meine Freude auch als Mitglied des Vorstandes des Zentralvereins hier auszudrücken über diese Versammlung, die in dieser schweren Zeit trotz aller Verkehrsschwierigkeiten sich hat zusammenfinden können. Und das gibt mir die Hoffnung, daß der jüdische Idealismus noch lebt. Ich spreche aber, meine Damen und Herren, zu Ihnen als Mitglied des Vorstandes Ihres Verbandes, als einer derjenigen, die seit Beginn des Verbandes im Vorstande gewesen und, wie diejenigen, die mit mir zusammen. tätig gewesen sind, mir bestätigen werden, auch mitgearbeitet haben. (Bravo!) Meine Damen und Herren! Es ist eine Zeit über uns gekommen, für die wir den Maßstab aus der Vergangenheit nicht nehmen können. Und in alledem, was ich bisher gehört habe, vermisse ich das Verständnis für 'diese Erscheinung! (Sehr richtig!) Insbesondere muß ich gegenüber den Ausführungen unseres verehrten Freundes Herrn Kommerzienrat Stein betonen, daß jetzt eine Zeit gekommen ist, wo das Selbstverständliche allerdings betont werden muß (Sehr richtig!), weil das Selbstverständliche unser Erlebnis gewesen ist und geworden ist. (Sehr richtig!) Das ist das Gebot'der Stunde. Meine Damen und Herren, man konnte früher sagen, es ist nicht notwendig, meinen positiven Willen, am Leben des Vaterlandes arbeitend mitzuwirken, zu betonen. Ich hätte es pur aus meinem vaterländischen Empfinden heraus in früherer Zeit auch verbeten, diese Selbstverständlichkeit erst zu betonen. Aber es ist anders gekommen. Man glaübt dem Deutschen fast sein Vaterland nicht mehr. Und da ist die Stunde gekontmen, daß jeder, der dem Ideal, im Leben