Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 2 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 88 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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irgendwo auf deutschem Boden noch nachhängt, sich -um deutschen Vaterland bekennt. (Sehr gut!) Meine Damen und Herren, es ist oft in der Diskussion hier gesagt worden, man wüysche nicht die Reden der Aelteren. Das billige ich. Ich bin ein absoluter Verehrer der jugendlichen Selbständigkeit, der tiefgehendsten Selbstverwaltung der Jugend. Was wirklich Leben haben soll, muß aus dem Leben erwachsen, und was in der Jugend kräftig sich entwickelt und lebensvoll gestalten soll, muß aus der Jugend herauswachsen. Meine Damen und Herren, ich glaube, ein bewußter Jude zu sein und ich bin glücklich, daß in mir noch lebt das Erbteil unserer Altvordern: der unverbesserliche Optimismus. (Bravo!) Aber, meine Damen und Herren, nehmen Sie mir dieses Wort in dieser Stunde nicht übel — es kommt aus bedrängtem Herzen —, wenn ich mit der Jugend diskutiere, da kommt mir immer wieder der Gedanke, sind denn die Rollen vertauscht?. Bin ich denn der Alte und Ihr seid die Jungen, oder ist es umgekehrt, seid Ihr die Alten und ich der Junge? (Bravo!) Meine Damen und Herren, auf Details will ich hier aus den Gründen, die ich betont habe, nicht eingehen, das mögen andere tun. Aber diesen leitenden Gedanken möchte ich gern über diese Tagung stellen. Meine Damen und Herren! In der Jugend macht sich ein Diplomatisieren und ein Politisieren in bösestem Sinne geltend, das nicht die Art der Jugend ist und nicht die Art der Jugend sein darf. Aussprechen, was man auf dem Herzen hat, das ist Sache der Jugend. Und wenn es uns so am Herzen liegt, daß wir in dieser schweren Stunde sagen, es ist ja selbstverständlich, ja, dann müssen wir es hier doppelt betonen. Das Moralische versteht sich von selbst, das hat Bischer schon gesagt. Aber trotzdem wird es keine Jugendarbeit geben, die nicht die Erziehung zum moralischen Menschen im höchsten Sinne des Wortes auch in ihr Programm aufnimmt. (Sehr richtig!) Jetzt heißt es positive Arbeit zu verrichten. Ueberall, wo bewußte Juden arbeiten, überall da macht sich das Streben geltend, das Programm durch Arbeit zu vertiefen. Und was will denn der Vorschlag, der hier von unstrem Freunde Apfel gemacht ist? Er bringt Dinge zur Festlegung, die das selbstverständliche Programm von uns allen sind. Meine Damen und Herren! Es ist hier diskutiert worden, gerade bevor ich das Wort ergriff, über unseren Willen zur Neutralität. Wer mich kennt, der weiß, mit welcher Liebe ich an diesem Gedanken jederzeit hing und auch heute noch hänge. Aber, meine Damen und Herren — und da komme ich zu einem wesentlichen Punkte, der für Ihre Diskussion wohl von Bedeutung ist — ich muß es weit von mir weisen — jetzt spreche ich als Vertreter des Zentralvereins —, daß das, was hier heute zu Ihrer Erörterung gestellt ist, irgendwie auf den Zentralverein zurückzuführen ist. (Ruse: Na! — Jawohl l> Sagen Sie njcht jawohl, bevor Sie mich zu Ende gehört haben. (Sehr richtig!) Ich kann hier als Kronzeuge austreten, denn ich habe es erlebt, wie dieser Antrag entstanden ist. Ich habe eS erlebt, wie aus bedrängtestem Herzen unser Freund Apfel diesen Antra, sich abgerungen hat, wie er aus seiner Seele hervorkam, weil er ein-