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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-05-01 · 2 (5.1919) · p. Seite 71

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
2 (5.1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 71 (sequence 47)
Language
German
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71 Ser Verband zweifellos in feinen Satzungen zum Ausdruck zu bringen : hat, in veränderter Form gut zu heißen, aber in der vorliegenden Form — ich will mich nicht näher ausdrücken — möchte ich Sie dringend warnen, den 8 2 anzunehmen. (Lebhafter Beifall.) Vorfitzender vr. Apfel: Es ist ein Antrag von Rosenthal- Minden zur Sache eingelaufen: „Für den Fall, daß,§ 1 in der bisherigen Form bestehen bleibt, find die Worte „Politischer oder" zu streichen. Es soll also dann heißen: „welche keine bestimmte religiöse Richtung verfolgen". Lehrer Stein - Berlin: Meine Damen und Herren! Herr Meyer-Frankfurt hat soeben gesagt, er freue sich darüber, daß der erste Antrag des Herrn vr. Apfel zurückgezogen wurde. Ich muß jagen, ich bedauere es unendlich, denn gerade der erste Antrag entspricht meinem Gefühl und meinem Herzen. (Sehr richtig!) Als wir als Soldaten im Felde waren, gab eH oft durch antisemitische Treibereien und Anrempelungen Momente, das muß man offen bekennen, in denen wir das Gefühl der Heimatliebe zum Teil etwas zurückstellten, daß wir innerlich rlmgewandelt waren in bezug auf unser Vaterlandsgefühl. Als aber die Revolution ausbrach und spater sich die Not des Vaterlandes in solch steigendem Maße bemerkbar machte und es geknechtet am Boden lag, da war alles, was wir er-« lebt hatten, vergessen, und wir fühlten uns als Deutsche, als deutsche Juden, so wie wir es vorher nie gekannt haben. Denn gerade jetzt in Zeiten der Not darf nicht persönliche Rücksichtnahme maßgebend sein, da darf uns nur das Ziel vor Augen stehen, wie helfen wir jetzt als Juden mitzuarbeiten, am Deutschen Reiche mitzuarbeiten, an' dem Lande, das darnieder liegt, wie es noch nie dagelegen hat, daß es wieder so dastehen kann, daß wir wohl darin leben können. Das Gefühl der Juden, stets Dankbarkeit und Einigkeit zu zeigen, spricht aus unserem Herzen. Dieses Gefühl ruft uns zu: Laßt die Unklarheit, laßt all die Schattierungen, die oft sich einstellen, und die nie ein klares Ziel bezeichnen! Weshalb bestehen solche Meinungsverschiedenheiten hier auf der Tagung? Ich glaube, es ist ein Stück Mittelalter, das sich in manchen Herzen bemerkbar macht, es ist noch etwas aus dem Ghetto mit Herübergenommenes, das zu uns spricht: die Angst! Wir haben uns bei der Neutralität wohl gefühlt, wir haben sie uns selbst so anerzogen, daß wir uns jetzt gar nicht mehr darin zurecht kennen, daß wir glauben, wenn wir unser deutsch-vaterländisches Gefühl betonen, wir den Boden der Neutralität verlassen. Meine Damen und Herren, wir richten uns nicht in unseren Wegen nach dem, was der Zentralverein durch seine Satzungen und durch seine Maßnahmen ausspricht, wir richten uns in diesen Grundsätzen auch nicht danach, was der Zionismus seinen Anhängern verkündet. Bei uns spricht nur die Tugend, die Jugend, die endlich einmal Klarheit und Wahrheit in all ihrem Streben und all ihrem Schaffen und all ihrer Arheit haben will. Der 8 1 unserer Satzungen enthält nur Negationen, und jeder einzelne, der in der Jugendbewegung steht, dem das Herz der Bereinsnntglieder mit seinem Herzen scUägt, will doch endlich, daß wir

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