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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-05-01 · 2 (5.1919) · p. Seite 72

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
2 (5.1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 72 (sequence 48)
Language
German
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72 zu positiven Zielen übergehen. Deshalb muß ein § 2 kommen, der uns sagt, was wir wollen, was uns in Zukunft vor Augen stehen muß. (Lebhafte Zustimmung und Zuruf: Lauter Selbstverständlichkeiten!) Ich komme gleich auf Ihren Zwischenruf zurück. Ich habe in den letzten Wochen Gelegenheit gehabt, die Arbeit im Verbände zu beobachten. Da sah ich, daß viele Vereine in Deutsch, land gegründet sind, die sich unserem Verband änschließen wollen, wodurch unser Jugendverband tatsächlich die größte jüdische Organisation, sowohl an Mitgliederzahl, wie auch ah Arbeitskräften wird, aber die sich uns nicht anschließen können, weil ihr deutsch-vaterlänbischer Standpunkt, ausgedrückt in ihren Vereins-Leitsätzen, uns zwingt, ans Angst vor Verstoß gegen die Neutralität, sie nicht aufzunehmen. Was heißt eigentlich deutsch-vaterländisch, deutschnational? Wir alle, die wir durch die antisemitische Bewegung so furchtbar »in unserem Dasein mitgenommen wurden, betrachten darunter Alldeutsch gleich antisemitisch. Deutschnational im alten Sinne ist für immer, erledigt. Für uns heißt Dentsch-national: als deutscher Staatsbürger mitzuarbeiten am Wohle des Ganzen, nntzuarbeiten nicht aus dem Bewußtsein heraus, ob ich vielleicht eine Kränkung links oder eine Kränkung rechts vornehmen könnte. Für uns junge Juden heißt das eben, einen gemeinsamen selbstverständlichen Boden zu finden: Ihr Zionisten geht hin in unsere Vereine und arbeitet darin mehr als ihr bisher getan habt: Ihr vom Zentralverein hört ans mit Eurem Winterschlaf, geht hin, bekämpft die zionistischen Ideen in unseren Vereinen, wir werden dann schon dafür Vorsorge treffen, daß die Neutralität gewahrt bleibt. Wir wollen eben, daß unsere jungen Juden, sobald sie aus der Schule entlassen sind, sich allmählich durch die Heranziehung im Verein ein Urteil darüber bilden sollen, ob Deutsch-national oder Jüdisch-national. Meine Damen und Herren! Tie Prinzipienreiterei, die Wonklauberei ist wahrlich in unserer Jugendbewegung gar nicht am Platze. Ta entstehen oft Mißverständnisse, die gar nicht bestehen. Ach muß allerdings sagen, die Verbandsleitung als solche hat in recht ungeschickter Weise selbst durch irgend einen bedauerlichen Irrtum etwas in die Bewegung hineingetragen, was gar wicht gewollt ist, lvas keiner will. Wir wollen nicht eine Kampforganisation gegen die Zionisten sein, wir wollen keine Neutralitätsaufgabe, wir wollen etwas selbstverständliches haben. Und wenn vorher bei dem Apfelschcn Vortrage dazwischen, gerufen wurde, „das Vaterländische braucht für uns Juden nicht betont zu werden", so muß ich.^ der ich im politischen Leben sehr viel mitgearbeitet habe, sagen, ist sehr Wohl nötig. Denn gerade bei uns jungen Juden gibt es sehr viele Heißsporne. Ich meine jetzt nicht Zionisten, ich meine auch nicht politisch linksschattierte Elemente, ich meine aber jene Jünglinge, die immer an erster Stelle stehen wollen und die in unveranttvortlicher Weise ohne das geringste Gefühl der Verantwortlichkeit dort oft Reden führen, die wahrlich nicht mehr mit Vaterlandsliebe, inicht mehr mit dem Boden des Deutschtums in Einklang zu bringejn sind. Dadurch erwächst dem-Judentum ein Schaden, den all dis, denen das Deutsch-

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