Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 2 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 44 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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44 jüdischen Volkes", die einen ungewöhnlich großen, stets wachsendenen Zuhörerkreis versammelt. Mehr denn je waren der Vorstand und die Mitglieder bestrebt, in dem Jüdischen Jugendverein einen Sammelpunkt für das gesamte jüdische Leben der Gemeinde zu schaffen und auf dem Boden unbedingter Neutralität allen Richtungen, insbesondere in der jüdischen Jugend, gerecht zu werden. Infolgedessen wurde gleich nach. Beginn unserer Bereinsarbeit eine Arbeitsgemeinschaft zwischen den zionistischen Jugendvereinigungen, der zionistischen Ortsgruppe, den Vereinigten jüdischen Turnerschaften und dem Jüdischen Jugendverein abgeschlossen zu dem Ziveckc, auf allen Gebieten, wo solches möglich erschien, gemeinsame positiv jüdische Arbeit zu leisten. Die vorerwähnten Vorlesungen des Herrn Zuckermann, der Vortrag von Frau Gronemann, die hebräischen Bibel- und Sprachkurse auf der einen, gemeinsames Turnen auf der anderen Seite sind die praktische Bewährung dieser Arbeitsgemeinschaft. — Seit der außerordentlichen Mitgliederversammlung Ende Januar 1819 hat der Jüdische Jugendvcrein, den veränderten Zeitanschauungen Rechnung tragend, auch der weiblichen Jugend die Mitgliedschaft mit vvollkommener Gleichberechtigung eröffnet. Der Verein zählte am I. April 1919 320 männliche und 90 weibliche Mitglieder, eine Zahl, die er im Frieden niemals auch nur annähernd erreicht hat. Neben der 'Frage der jüdischen Erziehung im weitesten Sinne war auch, wie früher/ der Kunst und der Geselligkeit ein Platz in unserem Vereinsprogramm eingeräumt. So sprach der bekannte Schriftsteller Julius Bad. Berlin in einem meisterhaften Vortrage über ..Shylock/' Nathan, Judith", und unser langjähriges Vorstandsmitglied, der Oberregisscur Julius Arnfcld, der während der letzten Kricgsjahre Portragsoffizier im Kriegsministcriuni war, veranstaltete einen Vortragsabend über „Zeitgenössische Volksdichtungen". Ende Januar fand in würdigem Rahmen eine Gedächtnisfeier für uwsere gefallenen Mitglieder statt, deren der Verein leider während des Krieges gegcn 30- (das sind ca. 20 Proz. seines damaligen aktiven jugendlichen Mitgliederbcskandesi verloren hat. Außer der' eingangs erwähnten Feier des Ehanukahfestes wurde das Purimfest durch eine Vorlesung des Buches Esther durch unser Vorstandsmitglied Fräulein Roman mit anschließender Geselligkeit und durch einen Purimball würdig begangen. Seit Beginn des Jahres haben wir dank großer Lpferwilligkeit aller unserer Mitglieder eine moderne jüdische Bibliothek geschaffen, in der die neuesten Erscheinungen jüdischer Dichter und Denker unseren Mitgliedern zugänglich gemacht werden. * A. I* Mannheim. Der Verein hat im Januar d^ I. nach einer durch'd:e Kriegszeit gebotenen Pause, während welcher jedoch gute innere Vereinsarbeir in beschränkterem Umfange geleistet wurde, seine Tätigkeit auf erweiterter Grundlage in vollem Maße wieder ausgenommen. Die Neubelcbung des allgemeinen Interesses für jüdische Fragen, die erfreulicherweise augenblicklich innerhalb des Judentums sich zeigt, küm unserer Arbeit sehr zu statten. Nach einer Zeit von nur wenigen Wochen konnte der Verein wieder einen Mitgliederbestand von annähernd 800 Personen aufweisen. Das Arbeitsprogramm unseres Vereins enthält in Befolgung des richtig verstandenen Begriffs der Neutralität ständig Vorträge, die alle Richtungen