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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-05-01 · 2 (5.1919) · p. Seite 39

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
2 (5.1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 39 (sequence 15)
Language
German
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39 Friebenspflid)ten ber Nationen.*) Man mutz die Zwecke und Ziele der Moritz-Mannheuner-Stiftung an sich anerkennen. Gegründet in einer Zeit des wütendsten Völkerhasses, will fjc die Wege finden, auf denen man nach soviel Zwist und Leid zu Glück und Frieden unter den Völkern gelangen könne. Drei Bänd« sind bisher erschienen. Ter erste behandelte: „M enschenliebe, Gerechtigkeit und Duldsamkeit als Grundpfeiler der menschlichen Gesell- ■ schaf t", der zweite befatzte sich mit den „Friedenspflichten d e s E i nmeinen” und der npnmehr vorliegende Band ist den „Friedenspflichien der Nationen" gewidmet. Man muh nun alle diese Arbeiten von zweierlei Gesichtspunkten aus betrachten, als rein menschliche Dokumente und in ihrem Verhältnis zum Judentum. Zu dieser letzteren Betrachtungsweise zwingt uns vor allem der Umstand, datz es die Stiftung eines Juden ist. die von einer jüdischen Organisation, nämlich der Grotzloge B'ne B ritz verwaltet wird. Betrachtet man diese Arbeiten als Zeugnisse für den Willen zum «frieden und zur Liebe, als Beweise dafür, welche geistige Kraft auf die Erreichung dieser Ideale aufgewandt wird, so kann man sich insbesondere über den letzten Band, über „Die Friedenspflichten der Nationen", herzlich freuen. Am höchsten üeht die Abhandlung von Felir Halle, der aus dem Ausbau der »internationalen Verträge das Heil erwartet. Er weist treffend daraus hin, wie 'in den meisten Staaten die Moral in den Beziehungen zu anderen Staaten etwa der sittlichen „Höhe" der in der^Po l i t.i t üblichen Grundsätze entspricht und verlangt, datz man bei der Hebung dieser internationalen Moralanschauung den Hebel ansetzt. Besonders wertvoll wird seine Arbeit durcki eine sorgfältig zusammengestellte sehr reichhaltige Literatur. Der Arbeit '-alles gegenüber bedeuten die drei anderen nur wenig. In dem Gedanken ähneln sie ihr naturgemäß sehr. Max S e b e r entwirft eine Art von Völkerdundsidee, Feilchenfeld will insbesondere das System von freien Borirägen durchgeführt wissen, deren'Geist von Menschenliebe und Duldung er- 'iillt sein müsse, und auf diesen Punkt macht auch Paula Messer-Platz aufmerksam, datz nämlich Verträge nur dann eine Besserung bedingen, wenn >ie wirklich in ernstem sittlichen Wollen geschlossen worden sind. So schön und schwungvoll nun die Arbeiten auch im einzelnen sind, io groß der Idealismus ist, den sie verraten, so sehr müssen wir uns gegen eine > Seite ihres Wesens wenden. Gewih findet man in diesem Bande nichts mehr von der — in einem von einer jüdischen Vereinigung heraus'gegebenen Werke teils zum Lächeln, teils zum Spötteln herausfordernden -1— Anpreisung der christlichen Grundlage, wie sie noch der erste Band enthält. Ebenso ist von einem religionsfeindlichen Geiste nichts mehr zu verspüren, wie ihn der zweite Band dadurch verriet, datz selbst an Stellen, wo dies logisch geschehen muhte, Wert und Bedeutung der Religion fast geflissentlich übersehen wurden. Aber dem eigentlichen Kernpunkte des Problems ist auch in diesem neuen Bande keine Arbeit nahegekommen. Völkerbund und' allge-. meiner Friede werde eben nicht durch Verträge gesichert, die man am'grünen. Tische ausheckt. Solche Bindungen sind tatsächlich bloße Fetzen Papier, die *) Friedenspflichten der Nationen. Vier Preisarbeiten von Felix Halle, Max Seber, Alfted Feilchenfeld und Paula Dtesser-Platz. sHerausgegeben von der Moritz-Mannheimer-Stiftung der Grotzloge für Deutschland. Gotha, Perthes 1919.)

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