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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-05-01 · 2 (5.1919) · p. Seite 40

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
2 (5.1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 40 (sequence 16)
Language
German
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40 der Belastung durch nationale Leidenschaft und imperialistische Machtgier nichi standhalten. Der ewige Friede hängt -unzertrennbar zusammen mit der sittlichen Vervollkommnung beS Einzelwesens. Und hier wie in allen sittlichen Fragen hat unsere Bibel das Rechte gesehen, indem sie das messianische Zeitalter erst dann eintreten läßt/ wenn die sittliche Erziehung des Individuums im Sinne der religiösen Forderungen ihren Abschluß erreicht hat. Die Friedenspflichten der Nationen be stehen darum keinesfalls nur in dem Ausbau internationaler Beziehungen und Verträge. Denn die sind nur zeitliche Notbehelfe. Wirkliche Friedenspflichten sind die Erziehung der Bürger zu Menschenliebe, Duldung imj Gerechtigkeit, und da es nun einmal trotz aller Versuche keinen anderen Weg zu diesem Ziele gibt, als den der Religion, da keine andere Ethik zwingend ist, und keine andere auch je imstande gewesen ist, Fortschritte in der Kultur zu erreichen, als die auf dem festen Grunde des Gottesglaubens sicti erhebende, so ist die erste Friedenspflicht der Nationen die Pflege des religiösen Gedankens. Das Spärliche, was bisher auf diesem Gebiete geleistet worden ist, ist nur Erfolg der Religion gewesen, und wenn bedauerlicherweise ganz gewiß dadurch, daß Konfession mit Religion verwechselt wurde, und die Konfessionen sich erbittert bekämpft haben, die Kraft der religiösen Idee erheblich geschwächt worden ist, man kennt heuldock den Weg! Es bleibt dabei, daß nur religiöse Arbeit wirklickcFrledensarbeitist. Die Moritz-Mannheimer-Stiftung, die viel angegriffen worden ist. fei aber gebeten, daß sie beim nächsten Ausschreibcn diesen Gedankengängen Rechnung trägt. Im Grunde enthalten nämlich die drei bisherigen Bände trotz ihrer Verschiedenheit alle dasselbe! Sie kommen über mehr oder weniger allgemeine Redensarten und mehr oder weniger pathetisch vorgetragene ideale Forderungen ntchr hinaus, und die Ausdrücke: „Man müßte", „Man sollte", „Es ist zu fordern" sind in ihrer ermüdenden Ueberfülle ganz charakteristisch. Praktisches findet sich fast nirgends. Der Grund ist klar, denn praktische Friedensarbeit kann tatsächlich nur auf religiöser Grundlage geleistet werden. Auch das soeben neu ausgeschriebene Thema wird nichrs wesentlich Anderes bringen. Tenn mehr als allgemeine Redensarten wird man gleichfalls nicht Hervorbringen, wenn das Thema behandelt wird: „Sind Menschenliebe, Gerechtigkeit und Duldsamkeit an eine bestimmte Staatsform geknüpft und welche Staatsform gibt die beste Gewähr für ibrc Durchführung?" Die Aniwort ist eine ziemlich einfache. Auf die Siaatsform kommt es nicht an, sondern auf ihren G e i st! Ist dieser echt religiös, so kann auch im absolutistischen Gebilde Harmonie und Liebe herrschen, und ist er religionsfeindlich, so tobt selbst in der kommunistischen Republik Haß und Streit. Vielleicht haben diese Zeilen die eine Wirkung, daß künftige Themen die Religion berücksichtigen. Und auf diesem Wege würde die Moritz-Mannheim-Stiftung zu dem werden können, was sie nach allgemeinem Urteil heute leider noch nicht ist, nämlich zu einer Einrichtung, auf die das Judentum stolz sein kann. vr. Felix Goldmann, Leipzig.

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