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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-05-01 · 2 (5.1919) · p. Seite 35

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
2 (5.1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 35 (sequence 11)
Language
German
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35 hervorragend befähigt sind, bis zur völligen Trostlosigkeit heravdrücken. Die Möglichkeit, selbständig zu werden, wird bei der Fortdauer der Zwangswiriichast gerade auf den verschiedenen, von den Juden bisher am meisten W-- vorzugken Gebieten des Handels, z. B. im Viehhandel und Getreidehandel, wohl aus die Dauer ausgeschlossen bleiben. Eine Reihe weiterer, besonders in betracht kommender Betriebe, wie das Bankgewerbe, die Versicherungsbranche" usw. müssen mit der Sozialisierung und dam.it gleichzeitig mit der Unmöglichkeit der Begründung selbständiger Existenzen rechnen-- Soweit es sich um l'lngestelltenstellen handelt, mutz aber der jüdische Bewerber leider damit rechnen, datz gerade nach der Erkämpfung der politischen Gleichberechtigung der geseUschaftliche Antisemitismus unter denjenigen Persönlichkeiten, die eie .stellen von Personalchefs usw. inne haben, um so stärker werden wird. Cr* kommt noch hinzu, Latz bei dem enormen! Steigen der Gehälter, das eine Jeige der überall unter den Angestellten einsehendcn Lohnbewegungen und der infolgedessen abgeschlossenen Tarifverträge ist, nach Möglichkeit an .',rb>.itskräften gespart werden wird und datz daher solche, die nicht Erst» ilasf ges leisten, die aber bisher auch in den Grotzbetrieben mit durchgeschtepp! wurden und den Aufstieg in der «Ochsentour" mitmachten, wahrscheinlich gern und rasch abgeschoben werden - Ebenso trostlos, wenn nicht noch schlimmer, stehen die Aussichten sür d:e Juristen. Entscheidend ist, datz überall im Behördenorganismus an Beamten gespart werden wird und datz man bei Durchführung, vielleicht aueo bei llcberspannung des Grundsatzes «Freie Bahn dem Tüchtigen" mehr uns uiedr dazu übergehen wird, die Juristen auszuschalten. Die Mitwirkung des tlaienelements in allen Zweigen der Rechtsfragen und Lerwaltung ist ja eines der sozialistischen Grundprinzipe. Mit der Einschränkung der richterlichem Tätigkeit und mit dem Rückgang des Verkehrslebens tritt natürlich auch automatisch eine Einschränkung des Tätigkeitsgebiets der Rechtsanwüiie ein. Auch der ärztliche Beruf wird von den Standesorganisationen als liberfüllt bezeichnet. Der Kriegsverlust von 1400 Aerzten kommt gegenüber einem Nachwuchs nicht in Betracht, zumal auch der grötzte Teil der aktiven. Sanitätsoffiziere in die Privatpraxis überwandern mutz. Ob vielleicht, in kleineren Städten und auf dem Lande sich Existenzmöglichkeiten in genügen-. der Zahl bieten und ob vielleicht der Ausbau der ■ Sozialversicherung noch einer Reihe von Aerzten iy beamtenähnlichen Stellungen Existenzgrundlage geben wird, mutz immerhin als sehr fraglich bezeichnet werden. Als aussichtsvollst gilt der Beruf als Zahnarzt, der. gerade infolge der neuen Krankenkassengesetzgebung grötzere BetätigungSmöglichkeiten bietet. Nach einem Urteil aus den Weisen der Standesorganisationen heraus könn-

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