Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 2 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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30 napoleonischen Zeit. Aber trotzdem haben wir aus der Vergangenheit von damals etwas für die Gegenwart zu lernen. Als 1806/7 die stolze preußische Herrlichkeit auf den Schlachtfeldern von Jena und Auerstädt schmählich zusammenbrach, begriff das deutsche Volk in seinen Besten die in diesem Zusammenbruch liegende Mahnung und Warnung der Geschichte. Es erkannte den Zusammenbruch als die Folge derleigenen Sünden und zog aus dieser Kenntnis die notwendigen Folgerungen. Es begriff, daß es umkehren, daß es besser werden, daß es in eiserner Selbstzucht an sich arbeiten lind neue Grundlagen für die Zukunft legen müsse. So wurde ihm die Not jener Zeit zur Quelle seiner sittliriien Wiedergeburt. Wenn wir uns heute als Deutsche fragen, was ist die Fmderung der Stunde, so müssen wir sagen: zu lernen von der Vergangenheit. Zu lernen, daß das deutsche Volk auch jetzt von seinem schweren Fall sich nur erheben, aus der Not und dem Graus der Gegenwart den Weg in eine bessere Zukunft nur finden kann, wenn es den Prozeß der sittlichen Wiedergeburt an sich vollziebt. Dazu aber ist erstes Erfordernis, die Erkenntnis der eigenen Fehler. Das deuffche Volk befindet sich im Augenbli^ vor der unendlich schweren Aufgabe, diese Vorbedingung zu erfüllen: seine Fehler zu begreifen, die Gründe des Zusammenbruchs in sich selbst zu suchen und aus dieser Selbsterkenntnis die enffprechenden Folgerungen zu ziehen. Es ist die schwere Versündigung des Antiseulitismus am deutschen Volke, daß er es abhält, diesen unerüäßlichen und schweren schritt zu tun. indem er seine Aufmerksamkeit von den eigenen Sünden ablenkt und alle Schuld den Juden zuwälzt. Dadurch bringt er das deuffche Volk in die Gefahr, den Weg zu seiner sittlichen Erneuerung zu verfehlen. Diese Gefahr zwingt uns als Deutsche zuni Kampfe gegen den Judenliaß. Wir bekämpfen ihn, weil das deutsche Volk wenigstens einen Gewinnst aus diesem Zusammenbruch heraus tragen muß, das ist die Erkenntnis des Unsäglichen, was in der Vergangenheit gefehlt worden ist, und den Willen, durch Umkehr und Selbsterneuerung den Weg zum Aufstieg zu finden. Indem die Judengegner die Augen schließen und sich selbst und die Welt weiter belügen, verrammeln sie dem deutschen Volke diesen Weg und betrügen es unr seine Zukunft. Deshalb bekämpfen wir den Judenhaß, nicht nur als Juden, sondern um des deutschen Volkes willen als einen Schädling, der an feinen Wurzeln nagt und eine schwere Gefahr für feine Wiederauferstehung bedeutet.