Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 10 (1919)
- Issue
- 2 (5.1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 29 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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29 nationale Begehrlichkeit sich schon am erträumten Ziele glaubte und fürchtete, durch einen Frieden der Verständigung und Gerechtigkeit um die sichere Beute geprellt zu werden, wurde ^>as Wort von dem „Judenfrieden" verhetzend und vergiftend durch die Massen gejagt. ' Als das Va banque-tsjriel verloren schien, der ganze Lügenbau zusammenzubrechen und mit dem Militarismus auch die Monarchie,unter den Trümmern zu begraben drohte, sah der edle von der Schulenburg nur noch einen einzigen Ausweg: die Entfesselung des Judenhasses. Ter Ruf: „Gegen die jüdischen Kriegsgewinnler und drückeberger" — so riet er in zwölfter Stunde seinem kaiserlichen Herrn — würde sicher ziehen, und die Empörung des Volkes vielleicht noch einmal beschwören. Als die Revolution hereingebrochen und die Unheilstifter der Kriegszeit die Stunde der Abrechnung gekommen ivähnten, wurde das deutsche Volk mit einer Flut jener widerlichen Flugblätter überschwemmt, durch die die Empörung der Massen aus - die Juden abgelenkt werden sollte. Als in München in neuem Umsturz die Räterepublik ausgerufen worden war, tauchten sofort wieder die Aufrufe zum Judenpogrom auf. Welche Not immer auf der Zeit lastete, die I u d e n Hatten die Schuld. Sie hatten den Krieg entfesselt und sie betrieben den Frieden. Sie waren die Geldsackvertreter und sie die spartaki^tischen Geldsackvernichter. Sie waren die verhängnisvollen Ratgeber des alten Regimes, sie gleichzeitig die Macher der Revolution. Sie hatten die Milliarden zusammengerafft und sie betrieben den Kommunismus und Bolschewismus. Kurz, wo immer man einen Prügelknaben brauchte, man fand ihn in den Juden, und cs lag nicht am Willen der Trahtzieher, wenn das Rezept Neros nicht in allen Einzelheiten in die Gegenwart übernommen wurde. Tie Pogromhetzer hätten gewißlich' nichts dagegen gehabt, wenn man die Juden, wie die Christen im alten Rom, den Bestien vorgeworfen oder ne als nächtliche^ Fackeln hätte gen Himmel lodern lassen. Es ist notwendig, sich dieses Wesen des Judenhasses, seine, innere Verlogenheit klar zu machen, um zu ihm die richtige Stellung zu gewinnen. Wir begreifen dann unsere Aufgabe, ihn zu bekämpfen aus doppeltem Grunde: als Juden und als Deutsche. Wir bekämpfen ihn als Juden aus der Pflicht der Notwehr heraus: wir wehren uns gegen ihn, wie gegen einen Mörder, der uns hinterrücks mit vergiftetem Dolch überfällt. Wir bekämpfen ihn aber nicht minder als D e u t s ch e . weil er das Einzige, was wir noch haben, unsere Zukunft, zu vernichten droht. Das deutsche Volk erlebt seine Schicksalsstunde. Noch niemals hat es einen Zusammenbruch erlebt, wie in der Gegenwart. Auch nicht in der 2