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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-03-01 · 1 (3.1919) · p. Seite 8

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
1 (3.1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 könnten vielleicht mit gröberem Rechte, jedenfalls mit gleichem Rechte das Gegenteil sagen, daß derjenige, der aus dem Judentum ein Wald- und Wiesenvolk, ein nach völkischer Macht strebendes chauvinistisches imperialistisches, von Polksleidenschaften getriebenes Volk macht, nicht voll den Begriff des Judentums erfaßt hat. Wir glauben eine höhere Auffassung vom Judentume zu haben, wenn wir das Volk der Religion, das Volk der Lehre nicht auf das Niveau eines weltlichen Volkes Herabdrücken, das an Raum und Zeit gebunden ist und 'wie alle Völker, wie Spreu vor dem Winde verweht. Wir glauben, daß wir'die Einheit des Judentums zerreißen, wenn wir es in die Völker einreihen, die heute um die Macht kämpfen und weit entfernt von dem jüdisch-messianischen Ziele des Völkerfriedens und des 'Völkerbundes sind. Warum wollen die Zionisten es auf das Volks- - Niveau Herabdrücken, während doch Christentum und Mohammedanismus ein über den nationalen Nahmen hinausgehendes geistiges Band darstellen? Tie Zionisten glauben, sie müßten jüdisch-national sein, »m im Völker- und Friedenskongreß anerkannt zu werden. Wir irrachen diese Konzession an die Zeitlichkeit nicht m i t wollen nicht, daß die Glaubensgcnossenschaft auf das Niveau ^der Volksgemeinschaft herabgediückt wird, so wenig es den Protestanten, Katholiken und Mohammedanern beikommt, ihre Glaubensgenossen um des Glaubens wegen zu völkischen Einheiten zusammenzuschließen. Wir sind kein jüdisches. Volk', wir sprechen keine gemeinsame Sprache: und wir wollen auch als Juden kein Volk sein, nickt bloß um unseres Teutschtnms. sondern auch um des Judentunis wegen. Wir wollen nicht, daß da? Judentum in den Streit der Völker hineingezogen wird, was unausbleiblich ist, wenn die Juden in Palästina einen eigenen Staat - gründen oder, da das z. Zt. eine Utopie ist, unter englische Sachverwalterschaft konimen. Denken Sie an die drohenden Konflikte mit Arabern, Franzosen, Katholiken usw. Wir deutschen Juden haben mit den französischen und englischen Juden keine Volksgemeinschaft Wir „hassen" und „lieben" sie im völkischen Sinn ebenso, wie wir die französischen und englischen Christen „lieben" und „hassen" und werden erst dann sie nur lieben, ivenn Völkerbund und Völkerfriedc die nationalen Gegensätze überwunden haben werden. Diese fundamentalen Verschiedenheiten in der Auffassung vorn Wesen des Judentunis machen es uns schwer, mit unseren zionistischen Brüdern eine gemeinsame Verständigung zu finden, und diese Verständigung wird erschwert durch ihre Kampfesweise, die mch> -hren propagandistischen Tendenzen, als einem Verständigungswillen Rechnung trägt. Wenn wir nutzlose Proteste unterlassen, so schilt man uns feig (vgl. Blumenfeld in der „Jüdischen Rundschau"). Als wi> vor der Revolution uns zu Kaiser und Reich bekannten, schalt man uns servil, und der Parteisekretär hat sich nicht gescheut, eine im Privatgespräch von mir gefallene Aeußerung, daß eine kommende Zeit dieses Bekenntnis würdigen werde, zu dem gehässigen Vorwurf zu entstellen, ich hätte das Bekenntnis in der Absicht der Liebedienerei einer Konterrevolution gegenüber . abgegeben (vgl. Blumenfeld in der Sitzung des Jugendbundes

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