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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1919-03-01 · 1 (3.1919) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
10 (1919)
Issue
1 (3.1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Geschick erwählen soll. DaS Christentum kennt nicht die Reinheit der Seele; es hat an ihre Stelle die Erbsünde, die Sünde, in die der Mensch dineingeboren wird, gesetzt. Es kennt darum nicht die Freiheit, die die stete Aufgabe des Lebens ist, in der der Mensch selber das Wort üh?r iein Leben spricht; es kennt nur die Gnadenwahl und das Verdammungsurteil, in denen die Gottheit den Spruch über den Menschen »erhängt. Die Freiheit, von dev es kündet, ist das Wrinder, welches die Gnade vollbringt, dem Menschen geschenkt und nicht von ihm errungen. Das Wort „Du sollst das Leben wählen" ist ein alttestamentliches gedlieben. Das Gebet: „Die Seele, die du mir gegeben hast, sie ist rein*, dieses Gebet kann nur im jüdischen Gebetbuch stehen. Erst wenn die Freiheit den Menschen als ihre Ausgabe gestellt ist. dal die Hoffnung auf die kommenden Tage, die Sehnsucht, die das Ziel der Zukunft finden will, ihren bestimmten, sicheren Weg, ihre Gewißheit im Denken und Empfinden. Nur der Freie kann seine Zu->^ kunft suchen. Das Judentum hat dieses Wort von den kommenden Tagen aufgszeigt, es hat damit den Völkern ihre große Hoffnung, den Sinn ihres Lebens verkündet, ihn in dem Gebote vor sie hingestellt, das Gute auf Erden zu verwirklichen, im Schaffen frei zu fern. Alle die Völker sind berufen, wenn sie den Ruf vernehmen, den Gott an sie richtet: auch ihnen ist gesagt, daß das Leben und das Gute, der Tod und das Böse vor sie hingelegt sind, und daß sie das Leben wählen sollen. Auch der Geschichte ist, wie ihr Geheimes, das Gottes ist, so ihr Offenbares, ihr Deutliches gegeben, das der Völker ist. „zu erfüllen die Worte dieser Lehre". Darin sind alle die Völker gleich; ihre eigene Geschichte kann ihnen zur Weltgeschichte werden. In der Aufgabe, die in der Freiheit gestellt ist. können sie sich alle zusammenfinden, um endlich zusammen zu sein im Gottesreiche der Zukunft. So sagt e? auch wieder ein Wort des Gebetes, das von dein neuen Jahr und der Versöhnung: „Sie sollen allesamt zu einem Bunde gemacht werden deinen Willen, o Gott, zu tun mit ganzem Herzen." Tie Menschheit und ihre Geschichte haben damit ihre Idee gewonnen, die messianische Idee, die von den Propheten Jsrgels verkündet worden ist. Dem Christentum mußte sie im Grunde fremd sein, weil ihm der Gedanke der Freiheitsaufgäbe widersprach. Hier ist die messianische Zeit nicht die kommende, die das große Hoffen vor sich sieht als das ferne Ziel des inühevollen Weges, sondern eine vergangene, eine erfüllte Zeit, ein gewonnener Besitz, der den Gläubigen gesenkt wird. Das Gottesreick ist hier nur die Kirche, die gegründet ist, und neben der das Reich der Verdammnis liegt, nicht aber die Zukunft, die der ganzen Menschheit als ihre Einheit verheißen ist. Das Gebot an die Völker, schöpferisäi zu sein, die Weltgeschichte zu verwirklichen, fehlt. Auch die messianische Idee ist die alttestamentliche geblieben. 2

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