Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 9 (1918)
- Issue
- 1 (28.2.1918)
- Date
- 1918-02-28
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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— 10 — »nteresfanles Problem. Er Hai innerhalb des jüdisck>nat!onalen Rahmens schon gar manche Wandlung durchgcmachi und stets ist er srisch und geistreich. stets dringt er in die Tiefe, und trotz aller Svrfilcr lernt man bei ihm *m meisten. Er ist immer der ehrliche, schlichte Deisker, der freilich häufig mit seinem leidenschaftlichen Temperament über die Grenze hinauLgeht. kr ist frei von jeder.Manier und sucht nicht, leine Lücken durch Schnörkel und Phrasen zu verhüllen. Stets bleibt er sich treu in seinen starken und schwachen Seiten, In dieser. Schrift betritt er ei ie neue Station, das r e l i g i ö s e L c b e n. Er findet überall in der Geschichte der Juden die Religion als treibende Kraft, als den eigentlichen Sinn des Seins, und er negiert ein jüdisches Leben ohne Religion. Er gelangt so;um Schlug, daß auch die Zukunft der Juden nur ip der Religion ruht, und er findet.den Mut nickt nur rer Erkenntnis, sondern auch des Bekenntnisses. Er möchte alle fcklichtsrommen Juden um sich sammeln und sie zu efgeiii mächtigen Faktor machen. Tenn die Erlösung der Menschheit aus Eljmd und Schmach, aus Riedrigteit und Barbarismus beginnt' für ihn mit der Erlösung des Judentums, das heißt mit der Erfüllung der Gottesidee. To weil wird, man dem stutor folgen tönnen. aber auch nicht weiter. Bor allem scheint es mir sali b zu sein, daß er nur in der Judenheit dcc- Cjieiii die alleinige Größe Israels sieht und die Judenbeit des Westens ganz aufgibk. Dig Judei^heich bildet einen ciiiücitlichcn Organismus, und man kann keinen Körperteil abstcrben lassen, ohne daß der ganze Körper leidet und in seine!» Funktionen gestört wird.. Gewiß hat Birnbaum recht, daß Ost und Wes« im Laufe der Geschichte zu Wcsensverschiedenhcitci-. geworden sind. Man wird ihm auch darin zustimmcnj daß mit einer bloßen plalonischen Liebe oder gar mit einem modernen Sport der Osljudcnheit nicht ge. dient ist und 'daß cs kindisch ists wenn die Juden des Westens sich geivisscrmaßen ms Protektoren der Juden des Ostens aufspielen und ihnen neue Wege >igen wollen, lind doch kann man aus der Berührung des Ostens mir dem Westen große Porteile für beide ziehen. Tenn diese äußere Berührung kann zu einem gegenseitigen- Verständnis führen, zu der Erkenntnis, daß beide berufen sinch einander zu ergänzen. Gänzlich verfehlt scheint mir der leidenschaftliche Ausfall gegen bid „töeioenjuen" — so nennt nünilicfc Birnbaum alle Juicn des Westens, weil er in ihrer ganzen Kultur eine tkKrkrüppclüng der alten jüdischen Religion, ein ungesundes küiistlictws Gebilde sieht. Riest alle Juden des Westens sind so 'seelenlos und ober ftächlich, wie der Autor anzuiiehinen scheint.' Richt willkürlich haben sic ihre geistig-sittliche Struktur gewählt, sie sind schlicßliäi ein Produkt der Entwicklung, genau so wie die Juden des Ostens. Beide haben sich unnormal enttvickelk, nach verschiedenen Seiten hin. Die Juden des Osten; sind eigentlich nur das. >oaS die Juden des Westens noch vor 11)0 Jahren waren. Vielleicht ist es das Milieu, das hier die Perschiedeuart'igkc>: bewirkte —, vielleicht noch mehr als das soziale und kulturelle Leben. Gäbe es in Deutschland ein Wilna oder.Derditschcw, wo die Juden in dichter. Massen zusammen leben, wenig berührt vom Außen- und Innenleben einer „nderen Bevölkerurg, so hätten mir wohl auch heute noch ein Judentum in Deutschland in alter kerniger Gestalt. Auch darin wi rden wir dem Autor nicht folgen, daß er Bedingungen aiKste^ß die praktisch t— man verzeihe das bme Wort — nickt durchführbar