Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 9 (1918)
- Issue
- 1 (28.2.1918)
- Date
- 1918-02-28
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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— 11 — sind. Birnbaum war immer größer in der Erlassung bo^- Zieles als in der Dahl der Wege. Die Regeln, die am Schluß der Schrift aufgestellt «erden, sind schon ethisch nicht immer unanfechtbcr. für dls wirkliche Leben aber meistens undurchführbar. Was hilft cs — um nur ein Beispiel zu wählen -- daß man als Regel aufstellt, die Juden sollen in der Kleinstadt bleiben, wenn die äußere Lcbensnotwenidigkeit si: zwingt fn die Großstadt zu wandern? Das soziale Leben ist gewiß nicht alles, nie die mechanische^ Geschichtsauffassung wähnt, aber es bildet zioeifel'as einer ivichtigen Faktor- Auch für den tiefer veranlagten Menschen. Dnzn darinnere Leben ist ebenso abhängig vom äußeren, wie das äußert vom inneren. Ja, jnrnt , wird die ganze Sclirift nur als Anregung und nicht als praktischen Wegweiser bezeichnen dürfen. Will man die Ideen Birnbaums als eine Ebnung des Pfades zu einer neuen großzügigen Organisation der Juderrheit aufsassen. oann fragt man sich unwillkürlich: für wen? Die Juden des Ostens.»«u die der Autor, hier hauptsächlich denkt, sindsin itrem religiösen Leben auch heute nocl, stark genug und bedürfen keiner Umwandlung, Was sie brauchen, die Reinigung des religiösenHeiligtums und die äußere Form der Zivilisation — an Kultur hat es ihnen nie gemangelt -- dazu finden sie den Weg ans eigener Kraft. Und für die Juden des Westens ist eS einfach undenkbar. sich mit den' Juden des Ostens religiös z» vereinigen. Auch für sie. so weit, sie . denkende und fühlende Juden sind, gibt es ein religiöses Kämpfen und Ringen, und auch sie sehnen sich nach jüdischethischem Leben, aber freilich in anderer Gestalt. Sic rönnen nicht mehr die fromme Naivität austrc^bcn. um einfach zrr alten Tradition zurückzukehren. I Für sie besteht das schwierigste Problem darin, den Dualismus in ihrer Brust zu verscheuchen und das modepne Wesen mit dem alten jüdischen Geist zu verschmelzen. Programme stellen, ein jeder muß den Weg selbst wandeln, des Judentums glaubtdxr wird die Hoffnung die jüdische Jugend Westeuropas zuin religiöse, Leben in neuer Gestalt znrückkehren wird, daß sie das Jüdische edel» wird. Und doch wird jeder diese geistreiche Schrift. Vorteil lesen, und jeder, der sich mit jüdischen Problemen befaßt, wird hier Anregungen schöpfen. Eine Fülle neuer Gedanken stürmt hier auf uns ein. und auch das Alte gewinnt an Reiz durch die neue Form, durch den sittlichen Ernst, den der Autor bekundet. Wir körnen alp» diese Schrift einem jeden ernst denkenden Juden und namentlicb unserer. reiferen Jugend nur warn, empfehlen. in ihren afsen sich hier nicht auf- Wer aber ai» die Zukunft nicht aufgedri», daß, auch Wesen vertieren und vertrov ihrer Schwächen, mit i