Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 9 (1918)
- Issue
- 1 (28.2.1918)
- Date
- 1918-02-28
- Page
- Seite 9 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 9t j , »öottes Volk.» i j Bon Fabius Schach. Die Juden Meten in der Bibel da» Epitheton Volt Gottes. Und diese Bezeichnung «st kein« bloße Tekorafion, sondern sie drückt die eigentliche Wesenheit, den inneren Berjuf der Juden aus. Ja. wir Juden suchten immer Gott. Nicht immer auf den richtigen Wegen und nicht immer mit den richtigen Mitteln, aber wir suchten chsi. Gott suchen heißt nach jüdischer Auffassung nicht, mit kaltem Herzen über religiöse Dinge klügeln.und geistreiche Reflexionen anstellen, sondern mit glühender Sehnsucht nach Reinheit . i und Hoheit ringen, nach Gott als der höchsten Harmonie lechzen. Die jüdische Geschichte ist die Geschichte der Gottesidee, und das jüdische Leben ist das Leben in Gott. Eine Judenhcit ohne Judentum ist .nicht nureine . unmögliche, sondern auch eine unschöne Sache. Streng genommen ist jedes, j. jüdische Problem ein Problem der ethischen Kraft. Stets, wo es bewußte », Juden gab. war es. die religiöse Kraft, die ihres tiefsten Wurzeln in der ' Geschichte hatte, und die nicht nur das Leben begleitete, sondern einen Teil des Lebens, ja den besten Teil bildete. Darauf beruht unsere Auserwähltheit, die die Torheit uns als Ueberhebuüg vorwirft und die doch unseren wahren Beruf bildet. Denn die Auserwähltheit besteht nur darin, daß wir auserkoren sind, die Fahne der Göttlichkeit den Völkern voran zu tragen, auf vieles zu verzichten und alle Martyrien auf uns zu nehmen, um den steilen Weg zur Höhe zu erklimmen. '] Das alles ist klar und selbstverständlich oder sollte wenigstens selbstverständlich sein. Und doch müssen diese schlichten Worte immer wieder wiederholt werden, da es leider immer noch Juden gibt, die glauben, mitbloßen nationalen oder sozialen Ideen im Judentum fertig zu werden. Sie begreifen nicht, daß das Judentum inkseiner Eigenart keine Analogieen. verträgt, und daß alles Tiefe in' ihm nur aus seinem Inneren heraus erklärt werden kann. Die religiöse Straft war es immer, die im Judentum lebte . | ' und die Juden bis aus den heutigen Tag geistig, sittlich, ja auch körperlich frisch erhielt. Auch da, wo das Nationale oder das Soziale in den Vordergrund tritt, ist es nur eine andere Form des religiösen Empfindens. Die * Religion ist hier die Kraftzentrale, die alle Röhren speist, und wo cs leuchtet und wo es herrlich w>rkt, da ist es die Gollesiöce. die das Wunder hervorzaubert. Nkan fürchtet beinah, trivial zu erscheinen, wenn man all'. dieses betont. Und doch begreifen wir nicht, wie man sich eine Erziehung . zum Judentum ohne Religionvorstellt. Nur eine mechanische Denkweise vermag das ganze geschichtliche Leben auSzuschalten und an ihre Stelle etwas Künstliches zu setzen. Gerade wir modernen Menschen, die, wir auf dem Boden des Entwicklungsprinzips stehen, können nicht willkürlich an . irgeno einem Punkt der Vergangenheit anjetzen, sondern müssen die ganze ■/ Entwicklung des Judentums als lebendige Tatsache festhalten. Dicies Problem der Probleme, das Wirken der Religion in der jüdischen Geschichte, das Wesen des Jüdischen im Judentum sucht der bekannte jüdische, nationale Denker De. Nathan Birnbaum in seiner neuesten Schrift *)' zu beleuchten —. nicht zu lösen. Birnbaum selbst ist ein schweres, aber -) Dr. Nathan Birnbaum: (Hotteg Soll. t>. ttbHit Herlag. Wien-Berlin 1918.