Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 9 (1918)
- Issue
- 1 (28.2.1918)
- Date
- 1918-02-28
- Page
- Seite 4 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1 bedarj der Mensch der religiösen Führung mehr als in der Uebergangszeit von der Schule;ur sittlichen und wirtschaftlichen Selbständigkeit. Die Mehrzahl der Jugendvereinsmitglieder steht in dem Alter der religiösen Zweifel und Kämpfe. Irregeleiteter Lesehunger führt ihnen gerade in dieser Zeit nieist ungeeigneten Lesestoff zu. Und da es der jüdischen Jugend in der für ihre religiöse Entwicklung bedeutiamsten Zeit vom 16. bis gmu 24. Lebensjahre an einer sicheren religiösen Führung fehlt,- so entstellt jene krankhafte Zweifelsucht, jenes bedenkliche religiöse Halbwissen, das schlimmer als Nichtwissen ist. jenes Spötteln über alles Religiöse, wie es für die Mehrzahl unserer jüdischen jungen Männer und Mädchen bezeichnend ist und berechtigte Gegnerschaft hervorruft. Die Jugendvereinler glauben leider, daß die Religion eine Angelegenheit der Kinderjahre ist. Hier klafft eine ernste Lücke in der bisherigen Jugendvereinsarbeit. Mit aller Entschiedenheit muß in den Vereinen gegen die religiöse Oberflächlichkeit, gegen.die Gefährdung durch das religiöse Halbwissen und die religiöse Phrase angekämpft werden. Sollen die Jugendvereine Schulstätten des jüdischen Lebens sein, so muß die Religion und die Pflege des Religiösen in den Vordergrund ihrer Arbeit treten. Religiöse Stoffe, Weltanschauungs fragen, vergleichende Rcligionskunde und die Abwehr der Angriffe gegen die-Religion dürfen nicht aus dem Programm der Jugendvereine verschwinden. Religiöse Kurse mit freier Aussprache, die Anregung ' zum Selbstdenken und zu religiöser Vertiefung geben soll, sind vor allem in der Jugendvereinsarbeit nötig. Die freie Aussprache über religiöse Fragen ift die Seele der g e - s a ni t c n I u g e n d v e r c i n s a r b e i t. 6. Tic zweite Gemcindeaufgabe ist die Sicherung und Hebung ihrer wirtschaftlich schwachen Existenzen. Sollen die I gendvereinc . auf die dereznstige Arbeit in der Gemeinde und ihren Wo stätigkeitsi vereinen vorbereitcr^, io müssen sic ihren Mitgliedern frühzeitig das l soziale Gewissen schärfeii. Tie Jugendvereinler müssen an allen Einrichtungen der Gemeinde zur Hebung der sittlichen und wirl'chaftlichen Not «rüsten Anteil nehmen. Die Vermittlung einer eingehenden Kenntnis aller charitativen Bestrebungen innerhalb der Gemeinde gehört geradezu zu Iden vornehmsten Aufgaben des Jugendvereins. Waisen- und Krankenpflege, Fürsorge füis alle Arten von. wirtschaftlich Gefährdeten wird in den Gemeinden zumeist in vorbildlicher Weise geleistet. Jeder Jugendvereinler muß diese Einrichtungen genau kennen. Es ist sogar erstrebenswert, daß er sich in ihnen inner^ halb gewisser Grenzen betätigt. Tie weiblichen Vercinsmitglieder .müssen zur Mitarbeit an den Gemeindeeinrichtungen für Säuglingspflege. in den Michküchen. Kinderheimen usw. herangezogen werden. Aber die Vereinsleitnng darf sich hier nicht auf Einrichtungen der jüdischen Gemeinde beschränken. Vielmehr gehört die Kenntnisnahme aller sozialethischen und sozialcharitativcn Bestrebungen der städtischen, staatlichen und kirchlichen Fürsorge in das Arbeitsgebiet des Jugendvereins. Der Besuch aller dieser Einrichtungen. Vorträge ihrer Leiter