Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 6 (10.12.1917)
- Date
- 1917-12-10
- Page
- Seite 236 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
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— 236 - lernt und in diesem Fache die damals vorgeschriebene staatliche Prüsimg abgelegt hatte?) die einzigen. wo die Familie hochdeutsch sprach. Es' wäre mir ganz unmöglich gewesen, gleich meinen jüdischen Kameraden Jargon.oder wie die christlichen Jungen allemannisch zu sprechen: sie sahen jedoch mein Aude'rssprechen als Hochmut an und straften mich oft mit der Entziehung ihres Vertrauens. -Ter nach den Anordnungen des Tberrats geordnet und methodisch erteilte Neligionsunterricht an der Elementarschule war dem religiösen .Leben nur förderlich, auch da. wo die jüdischen Kinder in Ermangelung einerx jüdischen Volksschule die katholische oder protestantische besuchten und den Neligionsunterricht von einem beiondern S^eligionslehrer erhielten. Jetzt eist lernten sie den Pentateuch, die Psalmen. die Propheten und die sinnigen hebräiickien Gebete, die die Aelteren meist nur pflichtgemäß hergeiagt hatten, verstehen und würdigen. Tanebeu war dann für den reichlichen Aberglauben der älteren Generatwn, den sie übrigens mit der christlichen Bevölkerung teilte und in dem der Satan als Fürst der Hölle mit den ihm unterstellten bösen Engeln, ferner Tämoneu, Hexen, böjer Blick und ähnliche feinüliclfe Gewalten, sowie als Gegenmittel Amulette, kabbalistische Sprüche und dergleichen eine große Nolle spielten, bald kein,Platz mehr. Im übrigen aber waren Ueberlieferung und Autorität, die sich in den minutiösen, fast alle Vorgänge des täglichen Lebens erfassenden rituellen Vorschriften und in den darüber bei dem geringsten Zweifel eingeholten Entscheidungen der durchweg streng orthodoxen Rabbiner kundgaben, auch für die Generation ^meiner Großeltern noch ganz unantastbare Mächte. Tas änderte sich in der nächsten Generation. Eine Schwester meines Vaters erzählte mir darüber folgendes: „llnbedingter Gehorsam gegenüber den Eltern war für uns oberstes Gebot. Kein Widerspruch wurde geduldest Aber innerlich regte er sich doch. So mußten wir Kinder an allen Fasttagen saften, «trugen jedoch schon: warum müssen w i r fasten, weil Gedasjah gemordet worden ist?" Auf solche Fragen sagte die Mutter: „Ta ntird nichts gekrittelt. so ist es immer gewesen, so ist es recht." Aber jiy selbst hielt sich doch nicht ganz daran, denn sie war die erste im Lrtss. die einen Scheitel aus haarähnlicher Kreppseide trug, während die änderen Frauen ihr Haar vollständig mit der Haube verhüllten oder das vorstehende mit einem gescheitelten Seidenband bedeckten?) Als meine älteren -Schwestern sich verehelichten, war man schon viel weiter: da waren schon die von den alten Rabbinern arg verpönten Haarscheitel aus Xrm fo fleprüfttn jüdisch«» Kaufmann stand statt dc» Schutzbürgerrccht» da» voll» Bürgerrecht zu. «> Na n strenger orientalischer Litte, die vrn den Juden in den Lccident übernommen wurde, durste die oer eiratcie Jrau iur H,ar nur ooe dem egenrn Mann unoerbüllt »eigen. Ändern Münurrn sollte sie ia scheuer Zurückhaltung b-a-anen und nicht ,«sollen wollen.