Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 6 (10.12.1917)
- Date
- 1917-12-10
- Page
- Seite 224 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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— 224 — Tie Kräfte, Die hier Zusammenwirken, itrtD Bercroung unö Anpassung?) Rane entsteht, weil alle Mitglieder der Gruppe den Ein- Wirkungen der g'eicr n Umwelt an-'-.cwdt sind, du-L vererbte und voriönliwo Änpan'uni an sie adaptiert worden und. und weil innerdald oer Gruppe nur diejenigen Individuen durch Auslese im Kampf ums Dasein ausgedauert haben, die dieser Umwelt arwachson waren. Tubois-Reymoud machte in seinen berühmten Vorlesungen über die Abstammungstheorie regelmäßig daraus aufmerksam, daß ein Kurzsichtiger im Jägerstamme, als den Eristenzbcdingungen eines ^Jägerkriegers nicht gewachsen, ausgejätet werden müsse, so daß ein Stamm scharfäugiger Menschen das Ergebnis der Zuchtwahl sein müsse: im Uhrmacherdors des Schweizer Iura aber sei die Kurzsichtigkeit ein Vortest im Kamps ums Taseip, sie könne erhalten und vererbt werden. Wir verstehen leicht, warum sich unter konstanten Lebensverhältnissen auch konstante körperliche Rassen ausbilden: es ist zum Beispiel gar kein Grund dafür einzusehen, warum die breiten Schädel eines abgeschlossenen, seit >Jahrtausenden unverändert von Jagd, Krieg und Viehzucht lebenden kaukasischen Bergstammes sich ändern sollten. Daraus läßt sich aber nicht im mindesten ein Schluß darauf ziehen, daß der Schädel überhaupt ein dauerhaftes Rassezeichen darstelle, auch unter dem Druck und Zug einer schnell sich ändernden physischen und sozialen Umwelt. Auf diesem Trugschluß ruht aber so ziemlich alles, was von der kraniomctrisch gegründeten Rassentheorie besteht. Nun Wäre es aber ganz und gar verfehlt, anzunehmen, daß einer bestimmte Umgebung, weil ihr dauerhafte Rassen entsprechen, nun auch bestimmte, dauerhafte Rassen entsprechen in dem Sinne, daß eine bestimmte'Umgebung einen bestimmten körperlichen Typus erzeugt. Davon ist keine Rede: die Vererbung des in die Umgebung einstmals eingebrachten Grundtypus der Art wird nur angepaßt, wenn er überhaupt anpassungsfähig ist, aber in seinen Grundfesten! nicht entscheidend geändert. Das gilt schon von Pflanzen und Tieren,, bei denen einseitig nur innere an äußere Beziehungen, aber nicht, wie beim Menschen, auch äußere an innere angepaßt werden, weil er allein seine Umgebung zweckmäßig zu verändern versteht. So sagt Wallace: ..Borneo und Neuguinea, von Natur so gleich geartet, wie zwei getrennte Länder nur fein können, sind zoologisch so entfernt von einander wie ein Pol vom andern: während Australien mit seinen trockenen Winden, seinen, offenen Ebenen, seinen steinigen Wüsten und seinem gemäßigten Klima Vögel und Vierfüßler hervorbringt, welche mit den in den heißen, feuchten und üppigen Wäldern der Ebenen und Berge von Neuguinea lebenden aufs engste verwandt sind."") Und Bagehot knüpft daran die Nutzanwendung: „Das Klima ist also, wie man sieht, nicht diejenige Kraft, welche Nationen entstehen läßt, denn ») vergl. MaudSleg. zit. bei Bagehot. Ursprung der Nationen, S. 9: .Da» gegenwärtige Individuum ist da» unvermeidliche Ergebni» seiner «oreltern, und nur vermittel» Untersuchung dieser erhalten wir eine vollständige ErNäru-g für e» selbst. «8 geziemt un8 daher, wenn wir irgend eine Fähigkeit al8 angeboren erkannt haben, un» nicht damit AU besriedigen. sondern rüchwärt» die A-tte ihre» ursächlichen Zusammenhang» zu verfolgen und auf diese Weise womdglich die «rt ihre» Ursprung» zu enthllllen.- *) Zit. nach Bagehot. Ursprung der Nationen, 6. 98/9.