Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1917-12-10 · 6 (10.12.1917) · p. Seite 219

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
8 (1917)
Issue
6 (10.12.1917)
Date
1917-12-10
Page
Seite 219 (sequence 59)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/4926451-6352295-6352419--1430-4927527
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 219 — i \ schwächen, wenn sie den nationalen Gedanken in den Vordergrund stellen, wenn sie aus dem „ Lotte des Buchs" ein leibhaftiges' Wald- und Wiesenvolk machen. D^r Gedanke, in Palästina eine öffentlich-, rcchllich gesicherte Heimstätte oder einen nationatÄN jüdischen Staat zu schaffen, der den Heimatlosen eine Heimat, den anderen ein Vorbild und Jungbrunnen sein wird, mag Werbe kraft haben und die Jlwen stärker aufrllttelr, aber das Mittel ist! mehr berauschend als kräftigend. Ich glaube nicht, daß der Staat, den die Juden dort aufrichtcn werden, für die Westjuden em Jungbrunnen sein, und daß die Juden Palästinas auch f ir sie Pioniere und Vorbilder fein werden. Bedenken wir die Gefl hr, die wir für die J^idenheit der Diaspora heraufbeschwören. Solfte üiefer Staat — und nach ihm müssen Sbestrcbungen tendieren — eintreten in er? Soll er zu den Mittelmächten oder - zur Entente halten? Soll e' ein Staat mit garantierter Neutralität oder der Spielball. der grojen Mächte sein? Was wir in dieser Frage von englischen Stimnien hören, mahnt doch zur allergrößten Vorsicht. alle Heimstätten und Natior den Hatz und Streit der Völ Und was nun? Zwei falsche Bewegung lieber als den Kampf im Lichte der Wc VII. Weltaussassungen stehen sich gegenüber, die beide dasselbe Ziel verfallen, das Judentum neu zu beleben. Sie streiten über Weg und Endzul. An sich ist ein Streit der Ideen kein Unglück; im Gegenteil, er ist ein Symptom des Lebtzns. Für uns ist nichts schlimmer als Jndifferentismus und Stagnation. Mir ist die )ie Ruhe der Leblosigkeit. Führen wir hrheit. mit den Waffey des Geistes, beseitigen wir alles, was Beschimpfung, Verhetzung uNd Denunziation ist. so wrrd unser Kampf nich: vergebens sein. Weg mit den Schlagworten: Asümilant und vaterlanüslos, unjüdisch und undeutsch, jüdischer Chauvinist ' und deutscher Chauvinist uiwj Kämpfen wir gemeinsam gegen den gemeinsamen Feind, und stellen wir ihm gegenüber zurück, was uns trennt. Daß die Westjuden ijijcr bleiben werden, daß für sie ein Uebersiel lungsprogrcsmm nicht in Frage kommt, darüber sind wir wohl alle cinig. Wir müssen das Judentum also auch abseits von Jerusalem und Zion wieder beleben. Kämpfen wir gegen Antisemiten und Täusl nge. Unterschätzen wir nicht den Wert der Abwehrkämpfe. Tie Behiuiptung des Rechts ist eine Pflicht unserer moralischen Selbsterhaltung gegen die Glauhensgemeinschaft. Wir müssen für die Gleich b e r e ch t i g u n g der Judeti heit eintreten um der Gleich b e w e r t u n g des Juden t u m s wegen, um den Abfall der Schwachen z» verhüter. Abwehr verlangt Wissen, und Wissen bringt Selbstbewußtiein und Stolz und Treue, die übbr das Ende des Kampfes hinausreicht. Kämpfen wir gegen das Renegatentum und arbeiten wir gemeinsam av dem Hilfstverk für Entrechtete und Heimatlose. Ich lege aut das Zusanstiienarbeiten der Organisationen das größte Gewicht. Unsere jüdii'cken Organisationen müssen den Juden geschlossen entgegcntretcn, die stauben, Judenpolitik auf eigene Faust

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.