Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1917-12-10 · 6 (10.12.1917) · p. Seite 218

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
8 (1917)
Issue
6 (10.12.1917)
Date
1917-12-10
Page
Seite 218 (sequence 58)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4926451-6352295-6352419--1429-4927526
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

— 21 — fiir öcr. Abfall 5er welken Blätter linö des wurnistichig.-n Fatt^bsteS bringen. Aber ick kann es nicht anerkennen, da« die Lebensauf,achun, des Zentralvereins den Verfall und Zerfall des Judentums befördert, und daß der zionistische Gedanke das Judeistum mehr erhält und belebt als.liniere Auffaffung. Nicl,t um d e s A n t i f e m i t i s m u s. sondern um d e s I u d e n t u in s wegen wollen wir reinliche Löheidung und Klärung. Was erhält denn das Judentum und was gefährdet e?.? Zur in ich liegt das Wefen des Judentums mit feinen seelischen und kulturellen Werten nicht in feiner Nationalität; feine Ewigkeitswerte liegen in feiner Religion. Ethik, feinem Jdeenkompler: dem Monotheismus^ der sich bei ihm in reinster, abstraktester Form zeigt, dem Messianismus, der . noch nicht erfüllt ist, sondern ein dauerndes Ideal bleibst dem wir zustreben, dem Optimismus, der das steben bejabt. der ('lottesebenbildlichkeit des Menschen, der eine reine Seele emp.äugen hat und ebne eine Mittlerschaft fich mit Gott perföhni und göttlicher Gnade teilhaftig wird, der Mission zur Selbstbeiligung. d. b. zur Nächstenliebe und Gerechtigkeit und zur Verbreitung von Religion und Sittlichkeit unter den Menschen. Dieser Berns i;i zwar an ein Volk ergangen: aber als Staat ist Inda unter, gegangen lind als Volk in alle Winde zerstreut, io daß ein jüdisches NatioLaibewnsttsei» bei der grasten Masse der Westjuden'ganz und gor niw selbst bei denen erlo'chen war, die gute Juden fein wollte» und ai fein glaubte». Und riun wollen die Zionisten das Judentum und seinen Jdecnkompler wieder beleben dadurch, dah sie den teils verglommenen, teils vergliiumenden Funken des Nationalbeipußti'eins wieder zu einer nationalen Flaunne entfachen, dast ste eine Nation zu schaffen fich bemühen, die ein stand und eine Sprache hat. Wir glauben eichst daß die Mission des Judentums in der Diaspora verkümmert, und daß wir die Zulturwerte. des Judentums, schwächen, wenn wir feine Mission unabhängig machen von dem Gedeihen oder Verderben eines jüdischen Staates odxr einer «jüdischen Nation. Weshalb sollen wir noch einmal Nation und Staat schaffen? Nach meiner Auffassung degradieren wir das Judentum, wenn wir seinem geistiger Jdeenkrei.se einen störper geben, der raum-zeitlich lebt und stirbt. der.blüht und verwelkt. Völker und Staaten vergehen wie Spreu vor dem Winde: selbst Rom ist untergegangen und das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. In der Diaspora aber ist durch Jahrhunderte und Jahrtausende der jüdische Gedanke leben geblieben und immer lebendiger geworden. Glauben die Zionisten, daß jetzt, wo die Nationen sich immer mehr abschliesten. und nur die Ideen Brücken zu den Nationen schlagen, daß wir die Idee des Judentums kräftigen, wenn wir sie nationalisieren? Ich glaube es nicht.' Wir setzen das Juden-, tum gegenüber den anderen Religionen und Bekenntnisser herab, wenn 'wir das in den körperlichen Nations- oder Staatsbegciff einzwängen. ivas ein universeller Religions- und Sittlichkeitsbegrifs ist- Das scheint mir die Gefahr zu fein, die die Zionisten kür daxzudentum heraufbeschwören, daß sie seinen messianischer Beruf

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.