Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 6 (10.12.1917)
- Date
- 1917-12-10
- Page
- Seite 214 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/4926451-6352295-6352419--1425-4927522- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 214 — werde, mag er Jude oder Christ sein, und daß ich nicht in allererster Reihe zu dem mich hingezogen fühlen würde, der nicht Deutscher, aber Jude ist. So wie ich. wenn die Erdteile gegenelnanderstetzen, mich auf die Seite der Europäer stellen würde, glciäzgültig, ob sielChristen oder Juden sind, und mich keineswegs zu Afrikanern oder Asiaten hingezogen flihlen würde, bloß weil sie Juden sind. 3. Ist Deutschtum und Christentum nicht identisch, kastn man 'Christ sein, ohne Deutscher zu sein und Deutscher sein, ohne Christ zu sein, so wird m e i n T e u t s ch t u m a u ch nicht d u r ch d i e Zuge h ö r i g k c i t zum J'u Dcntiim beeinträchtigt. Wenn V. Dreitschke sagt, daß das Judentum, nicht so deutsch ist me das Christentum, das Christentum deutscher als das Judentum, so versündigt er sich in antisemitischer Verblendung nach meiner Auffassung an den Gesetzen der Logik. ' Was er sagt, sind Begriffe, die für meinen schlichten Menschenverstand unfaßbar sind. Sind etwa die Christen in Frankreich französischer, in England englischer, in der Türkei türkischer als die Juden, und wie sind sie in den völkergemischtcn Staaten, in der Schweiz und in Oesterreich? Ist iiort das Christentum schweizerischer -und österreichischer als das Judentum? Will v. Treitichke sagen, .daß es ein Borrecht der Christen sei. ratcr- I ä n d i s ch e r zu sein als die Juden, jo würde er sich an der 'Wahrheit versündige»: denn das Judentum gebietet seinen Bekennern, den König zu lieben und zu segne», das Vaterland zu ehren und ihm in Tieue äiiziihängen. 'Daß es auf der Welt nichts Unchristliclstres als den ..christlichen Staat" gibt, haben nicht Inden, sondern überzeugte Christen gesagt'). l. So wenig mein Deutschtum durch mein Judentum verkümmert wird, so wenig wird m e i n I u d e n t u m , d. h. in e i n e G l a u b e n sii n d S t a m in e s t r e u c dadurch beeinträchtigt, daß ich s i e n ich t z u e i n e m 'R a t i o n a l b e w u ß t s e i n m a ch c. „Auch wir wollen innere Wiederbelebung. Nenaisiance des Jude'ntums. nicht Assimilation, stolz in der Eigenart und unserer geschichtlichen Entwicklung treu bleiben")." Wie ich über das Assimilantentuw denke, habe ich seit mehr als einem Jahrzehnt wiederholt dargelegt. „Das Wort A i s i m i l a » t e n t u m ist ein Schlagmort geworden. das nur klären müssen. Wenn Assimilantenrum heißt, die Eierschale des Ghettos abwerien. brechen mit dem, was abgelebt i nd abgestorben ist. brechen mit Kaitan und Stirnlocke. io wird niemand gegen ein solches Asiiniilantentuni etwas cinzuwenden haben. Wenn Assiinilantentnm aber beißt, »,i.t geheiligtem Brauch des Batechauses .l'V' man auf dem Buden der Evangelien stehen' und doch „den ffi-riftltcticrt Staat wollen könne,' „nd d'K man obend"ei„ ,» Utcb I „ de ^e n fönve, will rrn» Wo Her Ratbe-aus S'rcirfchrr^t vom Klauben lE.it' 9tr. 2x, 41) lehren. Eine verblüffende Plelseirrq'ei! Ratd nan nennt d n Say vom ctrihlnden Staat ei-en unana^eikbaren. Tab rechraläu^iae übriffen über ^dcn «griff de« christlichen Sagte« gan^ ander« gedaibr. das; dünner wie der Ada-ardne e van «incte. der Professor de« Kirchenrecht« Eadm. der Hlffo'iker Lreirsch e. «lildemciffer u a. ihn al« P.yihe einen Begriff ohne Inhalt, al« eine Idee, von der man ff<ch keinBi'd machen könne, bezeichnet hade^ darüber vgU meine P'rt>age in .I t ' 190.). Seite 196, 3t«. 1 •) ,0 T R.' 1912, Seite 26V. ,