Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 6 (10.12.1917)
- Date
- 1917-12-10
- Page
- Seite 213 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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— 213 — Was Achad Haatn doi] sagen, ohne Verstand! and deutsch und suhle jüdish (1878),, der Mißerfolg meiner Habilitations- und Anstellungsbemühungen, mir mein Judentum zum vollen Bewußtseih brachte. Ich bin frühzeitig in die Abwehrbewegung eingetreten; hch habe den Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glastbens mitbegründet, und obwohl ich, das kann ch wohl sagen, an jüdischem Selbstbewußtsein und jüdischer Stammestreue mich von keinem Zionisten übertreffen lasse, fühle ich michl trotzdem ich fast ein Henschenalter in der Bewegung stehe, in meine in Gemüt und in Meister Kultur so eins mit dem deutschen Vplke, laß ich mich auch national zu ihm bekenne. Für mich ist das Judentum eine Religions-, eiste Stammesgemeinschast, keine Nation. Ich will nicht anders als deutsch-national sein und will mir nicht ernreder, daß ich jüdisch-national bin oder jüdischnational werden müßte, um das Judentum zu beleben, und die Treue zu üben, die ich ihm gegenüber schuldig bist. Füst mich gilt der stolze Römersatz: status permu :atio eyt capitis denjinutio. ' 2. Es wäre unaufrichtig, zu leugnen, daß ich stls Jude eine b e - fandere Eigenart habe, daß die jüdische Abstammung, das jüdische Vaterhaus mir' nicht eine bloß religiöse, sondern auch eine besondere geistige und wsthl auch körperliche Prägung mitgegeben haben. sich fajgt, kann ich ähnlich auch von mir )erz streng scheiden zu ^wollen: Ich denke . ). „Ich bin ein Mensch in der angeborenen jüdischen sßräguhg, die als Erbschaft voin Jahrtausenden in mir lebt und wirkt.! Ich stabe es nie nötig, mich vor der lebendigen' Wirklichkeit abzuschlixßen, um weiter Jude bleisten zu können, und ich brauche nicht mir selbst mein'Jude sein wegzudispntieren, um Mensch unter Menschen sein zu können." (Vgl. Al. Paraschat Terachim, I, 132; Ehrenpreis, ,Ter Jude" 1916, S. 316-1.) äiir mich liegt hie Synthese von Teutschtunj und Judentum in dem: Ich bin ^Deutscher! von Nation. Jstdh von Religion und mes wegen. Wie mir die Zngchörigkeii zu Preußen, die schlesische Heimat, dhs Kaufmannshaus der Eltirn, die akademischjuristische-advokatorische Tätigkeit eine gewisse Prägung aufgedrückt haben, so hat cs gastz be anders auch das jüdische Elternhaus, die jüdische Umwelt getan, in der ich erzogen bin und in der ich weiter lebe. Aber diese Art und Stammesprägung dif erenziert mich nicht in nationaler Beziehung oon den deutschen Christen, beeinträchtigt meine Zugehörigkeit zur Gattung: Volk nicht und entfremdet mich dem Deutschtum so wpnig, w wenig die besondere Stammesprägnng in nationaler Beziehung den friesischen. Bauern vom rheinischen Industriearbeiter oder vom Berliner Proletarier trernt. Ich fühle mich als Anwalt sozial und geistig dem christlichen Anwalt näher als dem jüdischen Händler oder Handwerker. Hier in der Heimat werden wir uns nur mehr der trer nenden als der gemein amen Eigentümlichkeiten bewußt. Ich bin fest überzeugt, daß. wenn ich mit einer Reihe von Menschen, in di? fremde Wildnis verschlagen .würde, ich zuerst — ceteris paribus — Annäherung an den Deutschen suchen