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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1917-12-10 · 6 (10.12.1917) · p. Seite 212

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
8 (1917)
Issue
6 (10.12.1917)
Date
1917-12-10
Page
Seite 212 (sequence 52)
Language
German
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— 212 - jüDtfcf)cn—Station gelten könnten. Wir sprechen nicht hebräisch«), für uns ist Palästina nicht unser Geburtsland, die Wiege unserer Kindheit, nicht die Grabstätte unserer Eltern; ich kenne es nicht und es ist nicht einmal das Land meiner Zehnsucht, nicht die Heimat, der ich nachstrebe, nicht ille au^ulus, qui mihi praeter omnes ridet. 'Ich spreche deutsch, empsinöe deutsch: deutsche Kultur und deutscher Geist erfüllen mich mehr als hebräische Dichtung und jüdische Kultur. Bin ich in der Fremde, so sind Deutschland, deutsche Natur, deutsche Volksgenossen, der Gegenständ meiner Zehnsucht; ich mag im Oüent nicht leben und nicht sterben. Wie meine Eltern und Voreltern deutscher Ztaub geworden sind, so will auch ich es dereinst werdejn. Ich bin zwar ein Kind jüdischer Eltern, und-unser Haus war ein jüdisches Hans; aber auch meine Eltern haben deutsch-national «mpfunden, und der jüdische Einschlag, den ich bekommen habe, ist kein nationaler, sondern ein Einschlag , anderer Art gewesen, auf der ich noch zurückkomme. 1. Ich bin fest überzeugt, das; tausende deutscher Zionisten gleich wie ich denken und fühlen. Für sie ist die Nationsfrage nicht leine Frage des Zeins, sondern des Will e n s. Zie wollen natiostaljüöjich, nickt national - deutsch sein, oder sie glauben, deutsch und jüölschnationak sein zu können. Darin unterscheiden wir uns riinditiis: ich will nicht national-jüdisch sein, und glaube, kein schlechterer Jude als sie zu sein. Ich will mir nicht aus meine alten Tage ein nationales Bewnsttsein einreden, das ich über 50 Jahre nicht gehabt habe. Meine Eltern und Großeltern sind ihr ganzes Lehen, und ich den größten Teil meines Lebens gar nicht auf den Gedaäk^n gekommen, daß wir Fremde in Deutschland sein könnten, und auch als der Zionismus schon erwacht war, ist cs mir Jahr und Tag unfaßbar gewesen, wie cs deutsche Inden geben könnte, die jüdischn a t i o ii a l empfinden. Dabei habe ich von meiner Kindheit an den Anrisemitismus gekannt und unter ihm gelitten. Zchon als Schüler der jüdischen Elementarschule — ich habe sie bis zu meinem zwölften Lebensjahr besucht —, haben wir mit den christlichen Jungen Kriege gerührt und Schlachten geschlagen; das Schimpfwort „Judenjunge" und der gelegentlich darauf folgende Zteinwirrf sind mir in den Kindbeitsürgen voll vertrant gewesen, und noch aus dem Friedrichsgvmnasium, das ich in Breslau besucht habe, hat ' es ein ausgesprochenes christliches und jüdisches Heerlager und ein gerütteltes Mah von Judenhaß gegeben. Aber das waren Balgereien und Raufereien nickt mit nationalem, sondern mit religiösem „Einschlag".. Wir! faßten uns von Religions. nicht von Natiyns wegen. * l^n der Universit^äts- und in der Referendarzeit, die für mich in die Mitte der^ siebziger Jahre fiel, schien der Haß geschwunden zu .".sein, bis die Ltöckeroewegung, der Verlauf meines Offiziersexamens ** UnfenntntS der^hebrSischen Evrache sehe ich nicht eine .nationale EntehrunalKlaykin. .Ter Jude- I!U6, Sette 8281. sondern ein Moment der «nt- »atronLUsterrrng.

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