Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 6 (10.12.1917)
- Date
- 1917-12-10
- Page
- Seite 208 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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208 — ob das Einzelindividuum seine vaterländischen Pflichten erfüllt. In dem Augenblicke, wo wir behaupten, daß wir unseren Emanzipationskampf damit beginnen müssen, daß wir in kultueller (nicht kultureller) und ritueller Beziehung Reformen vornehmen müssen, verkennen wir das Wesen der historischen Entwicklung, das den Begriff der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung unabhängig macht von Konfession, Glauben und Kultus usw. Ihr Argumestt, daß Preußen 1806 und 1807 sich innerlich regeneriert habe, ist blendend, aber irreführend. Preußen hat sich innerlich regeneriert, um alle,Kräfte in den Staatsdienst zu stellen. Wenn die Abwehr-Organisationen th diese innere Rcformbewegung eintreten würden, so würden wir unsere Kräfte, statt sie in den Dienst der Verteidigung der jüdischen Gesamthoit nach außen zu stellen, schwächen, ja geradezu selbstmörderisch zerstören.! Zur Frage der Resormbedllrftigkeit, die besonders im Anfänge unserer Bewegung vielfach angeschnitten worden ist, höbe ich mich bereits in meinem Rechtsschichbericht für den Zcnträlverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens vom 6. April 1894 auf Seite 15 geäußert. Tort habe ich gesagt: „Glaube man ja nicht, daß man nur den Talmud frei zu geben braucht, um als gleichberechtigtes Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft anerkannt zu werden. .... Hst ja dock nach antisemitischer Auffassung der Talmud, auch ohne unser Zutun, uns allen, mögen wir an ihn glauben oder nicht, bereits in Fleisch und Blut übergcgangen und hat ja schließlich in seinem verblendeten Haß gegen die Juden der Antisemitismus bereits an dem Alten Testament sein selbstmörderisches Zcrstörungswerk begonnen. Möge daher weder das Eisern orthodoxer Fanatiker, noch der Jndifferentismus freireligiöser oder religionsloser Juden unserer Sache einen Mitkämpfer entziehen." , Ter Zentralverein will die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens als Einzelpersonen zufammenfassen und der Verband der deutschen Inden will alle jüdischen Organisationen zu einer Gesaintvertrctung der deutschen Jndenhcit (auf autonomer Grundlage) vereinen. Jeder jüdische Teutsche stelle seine Kräfte in I ihren Dienst. Darum bitte ich auch Sie, daß Sie mi tuns arbeiten Mit besonderer Hochachtung bin ich Ihr ergebener i Dr. Eugen Fuchs, Geheimer Justizrat.