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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1917-12-10 · 6 (10.12.1917) · p. Seite 184

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
8 (1917)
Issue
6 (10.12.1917)
Date
1917-12-10
Page
Seite 184 (sequence 24)
Language
German
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184 — zu und bar zuletzt nahe daran, die chassidischen Eindrücke meiner Kindheit!zu vergessen. Toch kau, ich nach einiger Zeit wiederholt auf ein. neuerworbenes Gut meines Vaters. in der Nähe von Czortkow. eines Sfädtchens, das die Residenz einer Seitenlinie der gleichen Zaddikiiit-Tynastie ist. Wie in Sadagora heute noch das überlieferte Gedächtnis des großen „Riihiners" (so genannt, weil er aus Rushyn bei Berdycztw. bei der russischen Negierung als „König der Juden" verdächtigt, fliehen mußte und nach mancherlei Irrfahrten sich m Sadagora niederlicß), so ist Czortkow heute noch die unmittelbare Eriunrrungl ah seinen Sohn David Mosche lebendig. Leider nahm ich damals Lichts von ihm auf. Ueberhauvt waren meine Eindrücke diesmal -lasser und flüchtiger. Das mochte daran liegen, daß ich inzwischen von der gährcndcn Geistigkeit ergriffen worden war, die die schöpferis,l)e Funktion des Intellekts erweckt, zugleich aber dem natürlichen Svfaucn und^Erfahren. das das Kind besaß, ein Ende macht. Durch diese Geistigbit war ich den Chassidim fremd geworden. s>e hatte miit die naive! Verbundenheit mit ihrem Wesen geraubt, ich dünkte m ch krait meines Denkens ihrer Welt entrückt, ja ich gestehe, daß ich sie nicht wesentlich anders betrachtete, als Giaetz es tut: vom der Höhe des vernunftbegabten Menschen aus. Ich sah nun nichts mehr von ihrem Leben, auch wenn ich dicht daran vorbeiging: weil ich nicht seheu wollte. Jnimerhin vernahin ich damals, ohne ihm Bcachtpng zu schenken, zum ersten Male den Namen, der niir nach vielen Jahren die köstlichste Entdeckung bedeuten sollte: den Namen „Bescht". Dieser Name ist aus de t Anfangsbuchstaben der drei Worte Baal Schem Tob (Herr des Guter Namens, d. i. etwa Meister der Gewalten) zusammengesetzt und bezeichnet den Stifter des Chassidismus, Rabbi Israel bcn Elieicr. Einer der Muerhöfe jenes Gutes meines Vaters heißt Tluste-Tori; in dem dazugehörigen Flecken, Tluste-Stadt (inzwischen aus den Fror.tbcrichten der russischen Heeresleitung bekannt geworden, da er in diesem Krieg längere Zeit umkämpft wurde), hatte der Baal-Schem als armer . Klcinkinderlehrer gelebt, hier war chm nach dem Bericht det Sage in der Nacht, da er dag drciunddreMgste Jahr vollendete, im Traum verkündet worden, die Zeit sei-erfüllt. Aber nicht den Chassidim allein war ich damals entfremdet, sondern deni ganzen Judentum. Ich hatte meine Kindheit, die Zeit bis zu meinem vierzehnten Jahr, im Hause meines Großvaters, fdes Midraschforschers, verbracht. Der Midrasch war die Welt, in der Salomon Buber lebte, mit einer wunderbaren Sammlung der Seele, mit einer wunderbaren Intensität der Arbeit lebte. Text um Text gab er die Midraschim heraus, diese keinem anderen Schrifttum vergleichbaren, an Sagen, Sprüchen und edlen Gleichnissen überreichen Deutungsbücher, in denen sich, zc» streut in tausend Fragmenten, eine zweite Bibel, die Bibel des Exils, verbirgt. Ohne sich je die Philologische Methode des Abendlandes an-

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