Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 6 (10.12.1917)
- Date
- 1917-12-10
- Page
- Seite 183 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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— 183 — Und wohl lobt in der ersten Ehaisidim. jene starke Hingabe der Ersten, die im Zaddik den vo sterbliche seine die Heutigen an Fürsprache sie 2! der beiiti;en Gemeinde nicht mehr, jener hohe Glaube illkoiumen, n Menschen ehrten, in dem das Unsterbliche Erfüllung sinder; vicljuehr wenden sich ihn vornehmlich als an den Mijtler. durch dessen Stillung tt) *cs Bedürsens zu, erlangen hasse»: aber eS ist liiimer noch, shrein Nietern Wollen entriickt. ein Sklxruer urtieser Ehrfurcht. der sie ergreift, wenn der „Rebbe" im stummen Gebet steht oder beim dritten Sabbatiuahl in zögernder Rede das Geheimnis der Thora deutet. Auch in Vilsen Entarteten glüht noch, im ungetan itten Grund ihrer Seilen, das Wort des lliabbi Eleasar fort, um des vollkommenen Menschen („Zaldik") willen, »»d sei es.»m eines einzigen willen, sei die Welt erschasicn worden-, „denn «s heitzt: Und Gott sah das Licht, daß eS gut war; „gut" aber meint nichts andres als den Vollkommenen" sTalmud öabli, Joma 38 l>). Ties ist es. was ich dcmals, als Kind, in dem ischmutzigen Städtchen Sadagora von der „lunklcn" chasjidijchen! Masse, der ich zujah, erfahren habe — wie ein Kind solche Tinge erfährt, nicht als Gedanken, sondern als Bild i nd Gefühl: dag es )er Welt um den .vollkommenen Menschen zu tun ist. und datz der vo lkommene Mensch kein anderer ist als der wahrhafte Helfer.' Wohl wird der Zaddik jetzt wesentlich um Hilsc in recht irdischen Röten angegangen, aber' ist er nicht trotzdem der Möglichkeit nach immer noch, als was er einst gedacht »nd eingesetzt worden ist: der Heller im Geist, der Lehrer des Weltiinns. der Führer z» den göttlichen Funkln? Wohl ist die ihm anoertraute Macht von dm Gläubigen »liszd'utct. von ihm selber mitzbraucht worden, aber ist sic nicht im Grimde eine legitime, die legitime Macht, diese Mach: der hilfreichen Seel,' über die bedürstigen, liegt in ihr nicht der Kein: künftiger Ordnungen? Irgendwie, nach kindlicher Art. dämmerten iüeic Fragen schon drmals in mir aus. Und . ich konnte vergleiclten: nach der einen Seite hin mit dem Bezirkshauvtmann. dessen Macht aus citri Zwanggewohnheit ruhte; nach der andern bin mit dem Rabbiner, der ein rechtichassnei und gottessürchtiger Mann, aber ein Angestellter des „Kultusvorstands" war. Hier, jedoch . war ein anderes, ein Unvc gleichliches; hier war. erniedrigt, doch Unversehrt. der lebendige Toppelkern des Menschentums: wahrhalte Gemeinde und wahrhafte Führerschaft.! Uraltes, Urküustigcs war hier. Verlorenes. Ersehntes. — Wiederkeh^endes. 1 Ter Palast des Rebbe in seiner effektvollen Pracht stieg mich ab. - Das Bethaus der Chajjidim mit seinen lauien und gewaltiaiuen - Betern befremdete niich. Aber als ich den Rebb: durcl' die Reihen der Harrenden schreiten sah, empfand sch: „Führer", und als ich die Chassjbim mit der Thora tanzen iah, empfand ich: ^Gemeinde". Taiuals ging niir eine Ahnung davon auf, das; gemeinsame Ehrfurcht lind gemeinsame Scelansreude die Grundlagen der Achten Mcnjchengmemschast sind. Im Knabenalter begann mir diese «u entgleiten. Ich brachte nun die Sommer in frühe Ahnung ins Unbewustle einer andern Gegend.