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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1917-12-10 · 6 (10.12.1917) · p. Seite 182

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
8 (1917)
Issue
6 (10.12.1917)
Date
1917-12-10
Page
Seite 182 (sequence 22)
Language
German
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— 182 — _jiornt ein Jota geändert würde, ersteht das Altgewohnte in einen, . ^jungen Licht und Sinn. Dem äußern Anschein nach noch mittclalterlich-tsebundcn. ist das cl>assidischc Judentum in scinir innern Wahrheit schon der Regeneration erschlossen, und die Entartung dieser großen religiösen Bewegung, konnte den geistesgeschichtlicher Prozeß, der mit ihr begonnen hat. nur aufhaltcn, nicht abbrcchcn. Es ist hier nicht, der Ort, die Lehre des Chassidismus dhrzulegcn. Sie läßt sich in einem Satz vereinigen: Gott ist in jedem Ding zu schauen und durch jede reine Tat zu erreichen. Diese Einsicht ist aber keineswegs, wie man vermeint hat, mit der pantheistijchen Wcltanjchauuksg gleichzusetzen. Für die chasjidische Lehre ist die ganze Well nur ein Wort aus Gottes Mund; und dennoch ist das geringste Ding in der Welt würdig, daß Gott sich aus ihm dem Menschen, der ihn wahrhaft sucht, ossenbare, denn kein Ding kann yhne einen göttlichen Fnykcn bestehen, und diesen Funken kann jedes: zu jeder Zeit und durch jede, auch die gewöhnlichste Handlung, entdecken und erlösen, wcizn er sie nur in Reinheit, ganz in göttlicher Intention gesammelt,; vollbringt. Darum gilt es nicht, in einzelnen Stunden nur Gott nstr-, und mit bestimmten Worten und Gebärden zu dienen, sondern mit dcni ganzen Leben, nüt dem ganzen Alltag, mit der ganzen Weltlichkeit. Nicht darin besteht das Heil des Menschen, daß er sich vom Weltlichen sernhalte, sondern daß er es heilige, es dem göttlichen Sinn weihe: seine Arbeit und seine Speise, seine Ruh' und seine Wanderschaft, den Aufbau der Familie und den Aufbau der Gesellschaft. Nie hat in Europa eine große Volksgemeinde — nicht ein Orden Abgeschiedener, nicht eine Bruderschaft Auserwähltcr. sondern eine Volksgcmcinde in all ihrer geistigen »nd sozialen Vielfältigkeit, in all ihrer Gcmischthcit— so das ganze Leben als eine Einheit-anf das innerlich Erkannte gestellt. Hier ist keine Trennung zwischen Glauben und Werken, zwisckzcn Wahrheit und Bewährung, in heutiger Sprache zwischen Moral und Politik; hier ist alles e s n Reich, e i n Geist, eine Wirklichkeit. In mleiner Kindheit (ich kam in sehr frühen Jahren von Wien, wo ich geboren bin. nach Galizien und wuchs hier bei meinen Großeltern aufs brachte ich jeden Sommer auf einem Gut in der Bukowina zu. Ta nahm mich mein Vater zuweilen in das nahe Städtchen Sadagora mit. Sadagora ist der Sitz einer Dynastie von „Zaddikim" (Zaddik: Gerechter. Vollkomniener), das ist von chassidischen Rabbis. Tie „Gebildeten" reden von „Wundcrrabbis" und glauben Bescheid zu wissen. Aber sie wissen, wie es nun einmal den „Gebildeten" in solchen Tiygen geht, nur. um die äußerste Oberfläche Bescheid. Wohl ist die legendäre Größe der Ahnen in den Enkeln geschwunden, und sie bemühei sich durch allerlei kleine Magie ihre Macht zu bewahren: aber all ih' Getue verniag das angeborene Leuchten ihrer Stirn nicht zu verdunkln, die angeborene Erhabenheit ihrer Gestalt nicht z» verzerren: ihr unwillkürlicher Adel spricht zwingender als all ihre Willkür.

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