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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1917-12-10 · 6 (10.12.1917) · p. Seite 174

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
8 (1917)
Issue
6 (10.12.1917)
Date
1917-12-10
Page
Seite 174 (sequence 14)
Language
German
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174 recht. Unser Staatsbürgerrccht ist zwar eine Wahrheit, aber keine Wahrhaftigkeit. Es ist nnr ein ideales Recht, das noch nicht einmal im Volksbcwußtsein eine gesicherte Realität hat. Welche schwierige Aufgabe bildet daher für uns die Bescheidenheit, die nur unter Voraussetzung der anerkannten (Gleichheit der Menschen eiste natürliche Menschenpslicht ist.! Trotz allen diesen Hemmnissen aber soll uns eben die! Demut vor Gott die Kraft der Bescheidenheit verleihen. Tie «Heiligung des göttlichen Namens" muß in jeder Stunde und bei jeder Handlung unsere Losung sein. Wenn der Zorn mich übcrmannt wegen der Verunglimpfung und Verdächtigung, die ich erleiden muß aus dem u» seligen Judenhaß heraus, so soll die Tciuut vor Gott zur Bescheide», heit vor denjenigen Menschen selbst mir verhelfen, die mich kränken und hiutergehcn. Ich soll mich nicht meiner tieferen Sitklichkeit, noch meiner wahrhastigmen Religiosität vor mir selbst rühmen, sondern soll den Gegner „auf der Wage der Unschuld" wägen, wie es der time Spruch in den „Sprüchen der Väter" erfordert. Und was ich dem Gegner gegenüber gelernt häbes das kann ich alsdann-uni so leichter und , sicherer jedem Menschen gegenüber handhaben. Dgun wird die Bescheidenheit mir zum Mittel werden, um die wahre M e n s ch e u l i c b c zu erlangen und zu befestigen. Sie wird mich nämlich vbr dem Argwohn und dem Mißtrauen schützen, in jedem Menschen einen Gegner, einen Judenfeind zu argwöhnen. Die Bescheidenheit muß uns zum Wegweiser und zum Leitfaden werden für unsere» gesamten bürgerlichen Verkehr. Wir müssen empfindsam bleiben dürfen, aber keineswegs empfind lich. Der Mitmensch, der Glaubensgenosse, wie der Andersgläubige, braucht nicht immer auf dem moralischen Kothurn einherzugehen; ich muß Rach sicht mit seinen Nachlässigkeiten und' hergebrachten Vorurteilen haben, auch wo er mein Selbstgefühl anzutastcn droht. Die Bescheidenheit fordert die Rücksicht, die Nachsicht mit den Schwächen, mit den Zufälligkeiten der menschlichen Stimmung. Tie Bescheidenheit muß mir Selbstbeherrschung geben gegenüber meinen Affekten. Sie bar ja in der Demut ihre Leitkraft. Und die Demut bindet mich an dije. Heiligung des göttlichen Namens. Nur wo die Ehrfurcht vor dem einzigen Gotte in meinem Gefühle verletz: wird, da bat die Bescheidenheit in mir ihre von der Temur abgesteckte Grenze. Da höre ich auf ein sterbliches Individuum zu sein, da werde ich auigerusen als Träger des „Joches des Gottes reiches". Jenseits dieser Grenze aber gibt es wahrlich einen großen Spielraum im Leben, der durchgängig und unangefochten von der Bescheidenheit verwaltet werden kann. Und je genauer ich mich an die'e Grenze halte desto deutlicher wjrd mir immer die Erkenntnis

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