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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1917-12-10 · 6 (10.12.1917) · p. Seite 172

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
8 (1917)
Issue
6 (10.12.1917)
Date
1917-12-10
Page
Seite 172 (sequence 12)
Language
German
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— 172 — deinem Gotte. Wenn der Mensch, wie er es soll, sich in Verhältnis zu Gott setzt, die Gemeinschaft mit Gott anstrebt, io fordert gerade die Lauterkeit dieser Gemeinschaft die Demut zur Voraussetzung. Keine Positron ist gefährlicher für die Demut der menschlichen Weisheit, als welche in dem Problem der Gemeinschaft mit Gott verborgen ist. Auch hier ist vor allem der Hochmut des Wissens einzuichränken. Die Demut leitet auch den menschlichen Wisscnstricb. wenn er sein Verhältnis zu Gott seststellen will. Tu wandelst nicht nur vor deinem Gotte, sondern auch mit deinem Gotte. Dieser Vorzug ist dein Recht, aber auch deine Pflicht, deren Erfüllung daher auch die Demut herbeizurufen hat. Auch der Pialmist sagt: „Mit dir habe ich kein Ver». langen an Himmel und Erde". Auch hier bildet die Verbindung mit Gott, die Gemeinschaft mit Gott das Problem und die Voraussetzung, kraft welcher auf Himmel und Erde verzichtet wird. * Tic Demut vor Gott ist nun ferner dys Vorbild für die menschliche Tugend der Bescheidenheit. Wir wissen wohl, welch' hohes Ideal mit diesem Tugendwege für den Verkehr der Menschen bezeichnet wird. An keinem Punkte unserer psychologischen Bedingnisie möchte die Naturanlage und das ganze Material der empirischen Hemmnisse und Förderungen eine so grosse Bestimmungskraft haben wie an diesem zartesten Punkte der Menschlichkeit. Wie könnte die Grenze abgesteckt werden für das Selbstgefühl, für das Lebensgefühl, ' so daß diese Grundkrätte des Lebens nicht geschwächt werden durch den Einhalt, den die Bescheidenheit gebietet? Hier berühren wir die schwierigsten Fragen der praktischen Seelenkunde. Nichtsdestoweniger aber muß dieser Konflikt durchg-^kämpft werden, muß die Bescheidenheit zur Gegenkraft gestählt werden gegen die Selbstsucht und auch gegen das Selbstgefühl. Man darf vielleicht sagen: ohne Demut ist keine wahre Bescheidenheit möglich. Genauer noch dürste zu sagen sein: die Demut allein, die Demut vor Gott ist das wichtigste Hilfsmittel für die Bescheidenheit vor den Menschen, für die Bescheidenheit des Menschen vor sich selbst. Und diese Einsicht ist ja auch die andere Hauptsache bei diesem ganzen Problem der Bescheidenheit: ihre Wurzel liegt in der Demut vor Gott. Aber genährt und befruchtet wird diese Wurzel durch die Bescheidenheit des Menschen v o r s i ch s e l b st. Wer sich selbst überschätzt, auch abgesehen von der geistigen Ueberichätzung, wer sich selbst Z überschätzt in seiner sittlichen Kraft und in seinen sittlichen Leistungen, der kann ernstlich nicht wahrhafte Demut vor Gott haben. Ferner aber kann ein solcher Egoist zu keiner Bescheidenheit kommen gegen seine Mitmenschen. Wer dagegen Bescheidenheit in sich gegründet hat vor sich selbst, der allein kann hoffen, auch Bescheidenheit gegenüber den Mitmenschen zu erlangen. Tie Demut vor Gott, die der Prophet fordert, hat cs zu der Konsequenz gebracht in der jüdischen Ethik: daß die Bescheidenheit als die Grundtugend festgelegt wurde. r

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