Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1917-12-10 · 6 (10.12.1917) · p. Seite 170

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
8 (1917)
Issue
6 (10.12.1917)
Date
1917-12-10
Page
Seite 170 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4926451-6352295-6352419--1381-4927478
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

.1 — 170 — Naturwesen. Durch die Sittlichkeit allein unterscheidet er sich ab Vernunftwescn vom Naturwesen, unterscheidet er sich, wie der angeb liche Pantheist Goethe sagt, „von allen Wesen, die wir kennen". Dieser Unterschied ist notwendig: er bezeichnet überhaupt der Unterschied von Natur und Sittlichkeit. Die Natu steht unter den Naturgesehen, welche die Wissenschaft zu entdecken har Das Reich der Vernunft aber ist das Reich der Sittlichkeit, das Reick Gottes lMalchutb Schamajim», und das Joch dieses Gottes reiches nehmen wir aus uns. w oft wir in wahrer Andacht „Hör« Israel" bekennen. So ist uns das ...Höre Israel" das Fundament uni die Schutzwehr unseres Idealismus, mit dem wir seit Jahr tausenden ausgerüstet und gegen alle Verlockungen des M a t e r i a l i s m u>s aller Art. Aber chehr als jemals bedürfen wir in der gegenwärtigen Zei und aller, Voraussicht nach nicht minder auch für die nächste Znkunf der Widerstandskraft gegen den Materialismus des irdischen Gebens gefühls und seines Glücksspiels, das alle geistigen Wert, nur nach ihrer irdischen Nutzbarkeit abschäht, gegen die ewigen Wertc der Sirtengeietzc dagegen die kühle Ueberlegenheit der Zweisclnicb und des Unglaubens einstellt. Dieser Uebermut gegen die absoluter Werte der Sittlichkeit ist es. der setzt die Welt regiert. Darum!k diese Zeit trotz aller Scheinheiligkeit und frommen Rhetorik durchaus als das Zeitalter der Gottlosigkeit zu kennzeichnen. Und alles äußer tich religiöse Gebabren ist nichts als das Blendwerk des bösen Ge wiüens. der innerlichen Gottessremdbeit. mithin des echtesten Götzen dienstes. Ueberheben wir uns etwa, wenn wir unseren Gottesdienst des einzigen Gottes in dem Bewußtsein fortführen, daß wir die m e s s i a? nische Zuversicht in uns tragen, der einzige Gott werde die Welt werde die Menschheit wahrhaft erlösen, die Sittlichkeit, das Reick Gottes aut Erden befestigen? Dieie Zuversicht ist unser Glaube, in unsere Religion. Mit diesem messianischcn Glauben haben unser« Vorfahren überall das ganze Mittelalter hindurch auf dem Scheiter Haufen ihre Seelen ausgehaucht, das „Höre Israel" auf den Livven Und wenn wir an unseren Festtagen das Gedächtnis unserer Elteri in der Seelenieier begehen, so gedenken wir immer zugleich auch bcij Märwrer, welche ..ihr Leben Hingaben für die Heiligung des gött j üchen Namens". Die Heiligung des göttlichen Namens! 'st der znsammensaüende Ausdruck für alles pflichtmäßige Leben der jüdischen Frömmigkeit. In der Heiligung des göttlichen Namens erstreben wir die Heiligkeit, die uns geboten ist, für welche die Heiligkeit Gottes als das Urbild der menschlichen Sittlichkeit uns zum Ideal oufgestellt ist. Die Heiligung des göttlichen Niimens ist das höchste Ziel unseres Idealismus. Ter Idealismus ist nun aber nicht nur das Fundament und auck nicht nur die Krönung unseres religiösen Lebens: er schafft auch allerwege die Mittel herbei, um unser Streben vor den Gefahren der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.