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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1917-12-10 · 6 (10.12.1917) · p. Seite 169

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
8 (1917)
Issue
6 (10.12.1917)
Date
1917-12-10
Page
Seite 169 (sequence 9)
Language
German
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— 169 — Wo das Problem Gottes einen anderen Inhalt der Erkenntnis gewinnen will, da ist das Problem selbst verfehlt, da ist die Einzigkeit vereitelt. Die Frage nach dör Person gehört in has Bereich der Natur, in die Schranken der Menschenwelt. Und döst dieie Menichenn il>ir der sittlichen Welt zugänglich werde, dafür ist das Urbild Gottes die Vorbedingung. Es ist nur die Halbbildung einer unwissenschaftlichen Philosophie, welche die Skepsis des Unglaubens Hervorrust. Und mit dem Aberglauben von der Person Gottes baut man sich pur die Brücke, um von der Religion des Monotheismus hinüberzuslüchten in eine Philosophie des Pantheismus. Aber der Pantheismus zerstört die Möglichkeit einer reinen Ethik, sofern diese die Naturerkenntnis zur Voraussetzung hat. aber nicht mit ihr zusammcnfällt. Alio auch der Pantheismus ist von der Methodik der wissenschaftlichen Philosophie abzu, lehnen und als mit ihr unvereinbar zu erkennen. Nur die philosophische Halbbildung schwelgt im M o n i s m ü s., der die Einzigkeit Gottes nivelliert.!! Diese schwierigen letzten Fragen des philosophischen Denkens durfte ich hier nicht unberührt lassen, obwohl ich freilich weiß, daß sie in diesen kurzen Formulierungen nicht erledigt werden können. Mit dejn Vorrecht des Alters wollte ich nur meine Ueberzeugung an die Jijgcnd aussprechcn. Studiert meine Bücher, und Ihr werdet einsehen lernen, daß diese Erklärungen nicht leichtfertig abgegeben wurden. sondern daß sie das Ergebnis einer langbn Lebensarbeit zusammcinfassen. Und bei diesem Anlaß darf ich es auch sagen, daß darin eben vorzüglich das besondere Vorrecht meines Alters besteht: daß ich für unsere Religion des einzigen Gottes zu kämpfen mich berufen fühlte auf Grund meiner systematischen Arbeit an der freien systematischen wissenschaftlichen Philosophie. | Jetzt aber will ich zu Euch aus dem jüdischen Geiste und Herzen heraus sprechen, .wie wenn ich mein Vermächtnis Euch überliefern wollte. Erkennet und erfüllet Euren Geist mit dem Gedanken, daß i-n diesem Glauben an das einzige Sein Gottes unser jüdischer Idealisni u s beruht, der in allen praktischen Beziehungen der Ethik zu wetteifern vermag mit dem reinen wissenschaftlichen Idealismus. In diesem Glauben hat der Psalmist alle Güter der Erde und.des Himmels selbst verschmäht und verachtet. (Ps. 51.) In diesem Glauben hot unsere Religion allen Eudämonismus überwunden, hat das irdische Glücksgesllhl als Maßstab verworfen für den Wert und die Würde des Menschenlebens. Das ganze menschliche Dasein kann und soll keinen andern Sinn haben als den allein, den das Sittengesetz, den der Aufruf der Thora zur Heiligkeit ihm verleiht. Nur das Leben nach dem Willen Gottes, sofern dieser als;ber Hort der Sittlichkeit erkennbar wird, nur ein nach dem Sittengesetze erwähltes Leben ist ein wahrhaftes Menschenleben. Ohne das Joch der sittlichen Gesetze bliebe der Mensch Tier.

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