Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 6 (10.12.1917)
- Date
- 1917-12-10
- Page
- Seite 168 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 168 — diesem einen theoretischen Grundgedanken werden alle Irrungen an der Gotteslehre und der mit ihr verbundenen gesamten Neligwn abgewchrt und überwunden. Ein in neuerer Zeit allgemein gewordenes Vorurteil erhebt sich nun aber gegen diese Forderung. Jedermann und erst recht jede Dame glaubt sich heute verpflichtet, Gott gegenüber die philosophische Skepsis antretcn zu müssen. Gott werde doch als Person geglaubt, und wie könne er als Person gedacht werden? So vermeint man allgeniein fragen zu dürfen. Man weih aber nicht, daß diese Frage schlechterdings ,injüdisch ist. daß diese Frage schon die Entfremdung vom jüdischen Geiste verrät. Tie Frage nach der Person entsteht nur. wo zwei Naturen in Gott vereinigt werden sollen. Da wird Gott zr>r einen Person in zwei Naturen. Durch die Person soll daher nur die Einheit Gottes gerettet werden gegenüber der Zweiheit der Na-' turen. Eine solche Bedrohung der Einheit ist aber gänzlich ausgeschlossen bei der Einzigkeit Gottes. Mithin besteht auch die Gefahr hier gar nicht, den Begriff, die Idee Gottes mit dem Charakter der Person z» behaften. Das Verlangen oder der Verdacht einer Person, beide Stellungen des Denkens zum Problem Gottes widerstreiten der jüdischen Gottesidee. Gott ist einzig; sein Sein ist zureichend durch die Einzigkeit bestimmt und beschlossen. Wer mehr vom Sein Gottes zu wissen verlangt, der versteht die Einzigkeit des göttlichen Seins nicht. Er vergleicht dieses dann eben mit dem Sein der Natur, mit dem Sein des Menschen, und er verwechselt das göttliche Sein mit diesen Abarten des Seins. Das göttliche Sein ist einzig: mithin ist jede Vergleichung mit anderen Arten des Seins abgewehrt, also auch mit dem Problem der Perion. Unsere Philosophen des Mittelalters haben daher die Erkenntnis vom Wesen Gottes, außer seinem einzigen Sein, eingeschränkt auf die Bestimmung, welche in den dreizehn Eigenschaften Gottes enthalten ist. Und diese Eigenschasten, in denen die O f f e n b a r u n g Gottes fcstgclegt wird, beziehen sich ausschließlich ar,f die sittlichen Eigenschaften, denen zufolge Gott als das Urbild der Sittlichk e i t zu erkennen ist. Sein einziges Sein wird npr in diesem seinem Wesen als Urbild der Sittlichkeit ein Problem der Erkenntnis. Tie Einzigkeit seines Seins wird nur in dieser ethischen Bedeutung positiv erkennbar. Andere Formen. Bedingungen, Darstellungsweisen dieses einzigen Seins sind uncrforschlich. werden daher von der Erkenntnis Gottes ausgeschlossen. Sie entfernen sich von dem einzigen Begriffe, der einzigen Bedeutung dieses einzigen Seins. Das göttliche 3ern bedeutet das sittliche Sein, die Begründung, die Verbürgung der Sittlichkeit. Aut diese Verbürgung muß alles Verlangen nach Gott, nach der Erkenntnis seines Wesens Hinzielen, auf sie auch sich begrenzen-