Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 6 (10.12.1917)
- Date
- 1917-12-10
- Page
- Seite 167 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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< — 167 — Es ist nun aber auch ungenügend, das Nachlassen - der rituellen Tradition im Hause und im öffentlichen Gottesdiei,le als Grund onzusühren. Man we ß, daß im Punkte des Abfalls?» beiden Lagern gleich gesündigt wird; daß der Abfall nicht minder bei den Konservativen häufig ist albei den Liberalen, Es iP eben ein grundsätzlicher Fehler.^ den inan populär nicht einsesen oill, den religiösen Schwerpunkt einzig und allein in die rituelle Betätigung zu legen und nicht durchaus und in letzter Instanz ip das geilstige Bewußtsein vom We en und Werte der Reist on. Alle Gewöhnung des Gemütes an die i^ligiösen Formen bleibt kraftlos und widerstandslos gegenüber den Machtmitteln der Kultur mit ihren Illusionen. Stärker ist immerhin noch das sittliche Gefühl in seiner traditionellen Geschlossenheit; aber auch diese Raturkrast des Gemütes versagt, wenn sie nicht unterstützt wird durch die theoretische Klarheit und Unbestechlichkeit. Und an dieser theoretischen Klqrheit fehlt es uns auch hcute'noch in weiten Kreisen unserer Judenheit. Tenn diese theoretische Klarheit ist Bedingt durch das lebendige Verständnis von dem kultstrellen Werte unseres Glaubens an den einzigen jGott.! In diesem Glaubcn besteht das Judentüm^ und wo die klare Einsicht von der Wahrheit dieses Glaubens fehlt, j&Q kann das Judentum nicht Wurzel fassen im modernen Geiste unjd daher auch nicht im modernen Gemüte. Das Judentum besteht picht etwa nur in dem Glauben an Gott, sondern vielmehr ist dem Glauben an den einzigen Gott.; ' Worin unterscheidet sich der Glaube an Gott von dem Glauben an den einzigen Gott - Jeder Jude hat es im angeborenen Gefühl, daß dieser Unterschied kein leerer Wahn sei. und daß es auf ihp ankomme. Aber selten nur ist das dunkele Gefühl abgeklärt und ufngewandclt in eine begriffliche Erkenntnis. Auf diese aber kommt bs an, und sie must für das indische Bewußtsein insgesamt angestrebtj wtrden. Man sage dagegen nicht, dies sei eine philosophische Forderung, mit der man Nicht ingemein das jüdische Bewußtsein belasten dürfe. Dieser Einwand widerspricht dem nationalen!Charakter der jüdischen Religiosität. Wenn d?r Jude „Höre Israel" hetet. so durchzittert ihn die Erhabenheit diesem Gedankens der Einzigkeit, und in dieser Erschütterung seines Geistes erlangt ^r eine geistige Energie, welche der des Philosophen sür die Fragen der Weltanschauung vergleichbar ist. Er fühlt dann n it dem Psalmisten, daß Himmel und Erde vor ihm versinken, daß des Gefallen an Himmel und Erde verschwindet, wenn diese Gemeinschaft mit dem einzigen Gotte erfühlt wird. P ie se Energie des jüdischen Gottesbewußtseins! des Bewußtseins der Verbundenheit mit dem einzigen Gotte muß wieder lebendig gemacht werden. Mit diesem theoretischen Gedanken werden wie mit einem Schlage alle praktischen Folgesätze der Ethik gewonnen i und geborgen. Mit