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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1917-12-10 · 6 (10.12.1917) · p. Seite 166

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
8 (1917)
Issue
6 (10.12.1917)
Date
1917-12-10
Page
Seite 166 (sequence 6)
Language
German
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ollcrtrauricu'te Symptom aber ist ne für unsere innerjüdischen Ver Kältnisse. Tenn aus dem Gesichtspunkt unserer religiösen Gemeinschaft kann es uns kein hinlänglicher Trost sein, wenn wir die allgemeine geistige ZMage als die Ursache dieses beklagenswerten Abfalls erkennen, dqr uns an den Universitäten in der schmählichsten Weise bloßstcllt. j Müssen wir doch fragen, wie es zugeht, daß die allgemeine Zcitlage ztir herrschenden Ursache werden kann, die alle hemmenden Beweggründe ahwcist und entkräftet? Wie geht es zu. daß unsere religiöse Erziehung und Tradition in der, Familie, in der Synagoge und der Schule so geringe Anziehungskraft besitzen gegenüber den öffentlichen Triebkräften? Ist die alte jüdische Pietät, der Familiensinn und der Ahnenstolz, die -Ehrfurcht gegen Eltern und Großeltern, das Mitgefühl mit den Genossen des Stammes und des Glaubens, das Mitgefühl bei ihrer Bedrängnis und ihrer öffentlichen rechtlichen Zurückietzung und Hintergehung gänzlich stumpf und regungslos geworden unter uns? - , Und wie steht cs denn um die natürliche psychische Brücke zwischen dem theoretischen Bewußtsein — das doch dem Trinitätsdogma gegen über an dem einzigen Gotte scsthalten muß — und der gesamten G e fuhlsgruppe, welche das unzerstörbare Bewußtsein von dem bistorischcn Vorzug dieses Glaubens erweckt und lebendig erhalten muß? Wahrlich, wir können uns darüber nicht hinwcgtäuschen, daß nicht allein die Zcitlage uns so schlecht gemacht haben kann, sondern daß auch in unserer dermaligcn religiösen Verfassung und Lebensführung sehr schwere Fehler begangen worden sein müssen, ohne die jene furchtbare Tatsache nicht erklärlich wird. Man bedenke doch, daß es nicht Leute der materiellen Berufe find, die etwa als Bankiers oder als Gutsbesitzer geadelt sein wollen, noch auch Juristen, die die höchsten Staffeln in ihrem Berufe erreichen wollen, noch selbst überhaupt Professoren in allen weltlichen Fächern, iondern daß Philosophen uns dieses Rätsel ausgeben; Philosophen, denen die allgemeine Ansicht die Aufgabe zuerteilt, von den Einseitigkeiten einer jeden Religion sich sreizumachen, um die Selbständigkeit der Philosophie zu erobern und durchzusühren. Und die Philosophen sollen doch zum mindesten auch Ethiker fein! lind die Ethik hängt doch nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch und politisch niit der aktuellen Religion zusammen. Und nun bringen diele Philosophen es fertig, ihre angestammte Religion abzuschwörcn, ihre angestammten verfolgten Genossen im Stich zu lassen, iind endlich vor der gelehrten llniversitätswelt ihrem Bekenntnis die statistisch» Bedeutung beizulegen: daß das Judentum al» geistige Religion ilbgetan und erledigt feil Welchen Anteil hat unsere religiöse Gegenwart an dieser traurigen Tatsache? Es ist unniöglich, daß ihr kein Anteil daran zusteht.

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