Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 6 (10.12.1917)
- Date
- 1917-12-10
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 164 - dereS Fundament sich zu stützen schien, als welches der Monotheismus bildet. Man bedachte auch nicht, dafe die gesamte össcntliche Bildung, soweit sie überhaupt die Sittlichkeit mit der Religion m Verbindung bestehen liefe, diese ausschliefel'ch aus das Christentum, allenfalls nur aus den Protcstantisnlus beschränkte, dafe man aber in dein ganpn werten Gebiete der populären Literatur aus das Judentum ichlecht-edings gar keinen Bezug nahm, als ob es gar nicht mehr vorhanden Ware. Kurz vor Ausbruch des Krieges hat ein als Jude geborener Prosesior der Philosophie den Ausspruch getan, dafe für die moderne Kultur nur das Christentum als Religion in Betracht komme; „denn das Judentum ist seit Jahrhunderten leblos und erstarrt". Es würde mir widerstreben, diese Kundgebung eines Individuums hier an den Pranger zu stellen, wenn ich sie nicht für charakteristisch halten müfete, und zwar nicht nur für die weitesten Kreise selbst, des freisinnigen Protestantismus, sondern leider auch für gijofee Bezirke innerhalb der modernen Judenheit. Daher erklärt sich di? Zurückhaltung von allen spezifisch religiösen Dingen, bei vielen jüdischen, Frauen sogar von jüdischen Sozialbcstrebungen. Daher stammt auch die allgemein grassierende Zurückhaltung von deüi öffentlichen persönlichen Bekenntnis zum Judentum über das standesamtliche Register hinaus. Je ethischer der moderne Mensch zu sein glaubt, desto bewufetcr hält er-sich verpflichtet, das Judentum , für seine öffentliche Persönlichkeit zu ignorieren. Aber die Religion erhebt ja doch in kühner Behauptung ihrer Abiolutheit ihr Haupt als Christentum! Indessen diese Anmafeung, wenn sie schon als solche gedacht wird, liefee sich nun einmal nicht abwciscn und vercitctn; aüer wir wenigstens wollen sie nicht noch dadurch steigern, dafe wir das Judentum daneben setzen; eine Ruine neben eine noch immerhin bestehende Macht! So philosophiert die gebildete Judenheit. Krr Das Beispiel, das soeben von dem wurde, ist vielleicht in dieser grausamen Wird unterstützt durch die traurige Tatsache vertierter Privatdozenten un Philosophie an den deutschen Universi schon die Regel bildet, während sehr gering Juden aus dem philosophischen Katheder ist. und die Ursache dieser statistischen Tatsache. Nehmen wir zunächst einmal an, diese sagt, aus Ueberzeugung zu einer der getreten. Sie werden nämlich in Desterrei^ Deutschland Protestanten werden. Was b e d »aus Ueberzeugung", den man alsg lassen zu müssen glaubt? Ucberlegt man »Ueberzciigiing" nicht ohne den Inhalt der Ule den kann? Wovon soll der Konvertit nun üb Philpsophieprofcssor angeführt feheit vereinzelt, aber es dafe die Anzahl kon- Prosessoren der ätcn so grofe ist. dafe sie die Zahl treu gebliebener Erwägen wir den Sinn Herren seien, wie man christlichen Kirchen über- Katholiken, wie sie in eutetderAusdruck emein braucht und zuaber, dafe der Ausdruck berzeugung gedacht wcrerzeugt sein? Von dem