Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 5 (1.11.1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- Seite 150 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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— 150 — cher Zeit man lebt. .Auf die Richtungen der Zeit und das moderne Leben muß Rücksicht genommen werden. Daß man in einem jüdischen Jugendvereine jüdisch sein muß, versteht sich von selber. Nur darf man das Worl jüdisch ntcfjt zu eng fassen. Jüdischkann alles sein, war ein Jude in sich a^fnimmt und mit seiner jüdischen Individualität v e r a r!b e.i t e t. Wie alles Jüdische zum Universellen wird, wenn man es weiter ausbaut, so kann umgekehrt alles, was irgend welche Beziehung zu uns hat, eine jüdische Note erhalten. Nur'müssen diese Zusammenhänge innerer Natur sein und nicht künstlich gesucht. Nicht nur alle spezisisch-jüdischqu Fragen, sondern auch allgemeine Fragen in jüdischer Beleuckitung haben ia den Jugendvereinen ihre natürliche Stätte. Sie können sehr fruchtbar für die geistige Entwickelung werden, wenn sie richtig bearbeitet werden. Daß man in erster Reihe sich solchen Fragen zuwendet, die durch die Ereignisse der Gegenwart in den Vordergrund unsere? Jnteressesgctreten sind, braucht nicht erst gesagt zu werden. Nur muß die Aktualität tiefer liegen und nicht nur im Titel des VortrggcS ruhen. Jede Zeit hat ihre Lehren, denen man sich nicht entziehen kann und soll. Unsere Zeit hat uns Probleme gestellt, denen wir uns zuwenden müssen. Wir werden sie nicht lösen, aber wir müssen ihnen näherzukommcn suchen. ' Drei Gcdankcnkomplerc sind es. die sich aus dem Stürmischen, Verworrenen unserer Zeit absondcrn und nach Klärung ringen. Sie gebieten kategorisch, daß ivir uns mit ihnen beschäftigen/weil sie für die Zukunft der Juden in Deutschland gewaltige Bedeutung anzunehmon bestimmt sind. Es lind dies: l. Judentum und Deutschtum. 2. Sozialisierung des Lebens, 3. Der j ü d i s ch e Osten. Diese Komplexe bieten eine Fülle von Eüizcltheinen für die Jugendvereine und jeder Redner kann sich daraus ncbmcn, wasihm am meisten zusagt. 1. Judentum!nnd Deutschtum. Grundlegendes darüber findet .man in den Bücher» von Prof. Herm. Cohen und Kon st an t in Brunner. Beide geben von anderen Gesichtspunkten aus und sind in ihren Resultaten nicht identisch. Beide aber wirken anregend durch den Reichtum ihrer Gedanke». Daneben erschien über dieses Thema in den letzten zwei Jahren eine große Anzahl tieferer und leichterer Aussätze in fast allen jüdischen Zeitungen.- Dieses- Gebiet bietet immer noch neue Gesichtspunkte, I wenn man cs ernst ersaßt. Es ist zu prüfen, wie viel Verwandtes in der jüdischen Natur i^it dem Deutschtum ist. Man scheue sich aber auch nicht, die Gegensätze psyckisckcr Natur zu beleuchten. Man wird auch untersuchen