Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 5 (1.11.1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- Seite 149 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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— 149 — Der Vereinsredner der Jugend soll frisch und sein. Er soll schlicht sein, aber sich nicht gehen lafjen. Wenn irgend mög lich, soll er die freie weniger fein, dafür aber künstliche Tiefen. Er meide alle Gemeinplätze und Redeform wählen uni nicht vorlesep, lieber lebendig. Er sei nicht flach, suche aber auch nicht lebhaft m der Form billige Witze. Wo sich ergeben, da wirken sie Der Redner soll nie die Manier sernhaltön, er aber aus dem Thema geistige Funken und Apercüi zündend und bleiben in der Erinnerung hasten. Bahn des Natürlichen verlassen und sich von jeder soll seinen Stoff beherrschen und sich nicht von! ihm beherrschen lassen. Pathos. Witz und Ironie können angenehme Beigaben sein, wenn sie im richtigen Maße angewendet werden. Vor allem halte man sich von allen Uebertreibungen und Superlativen fern, sie mögeis im Augenblicke ziehen, erzeugen aber einseitige Vorstellungen. * Hat man sich durch Lektüre bereichert, so benutzt man sic als Hausteine, verarbeite sie und mache sie zu seinem Eigentum und strebe danach, es auch zum Eigentum der Hören zu machen. Wo das Thecha ein tieferes Eingehen! erfordert, da gehe man stufenweise vor. vom Leichtes zum Schwereren, man schreite, wie der richtige Bergsteiger gleichmäßig un^ nicht springend. ’ Der Redner im Jugendverein sei nie Partei. jsr soll seine Meinungen' haben und sie auch äußern, aber als Geistesrichtung, die im Flusse ist unv nicht als erstarrtes engherziges Parteidogma. Durch verschiedene Ansichten erweitert sich der .Gesichtskreis, durch Parteischablonen legt man sich. Scheuklappen an und rar bt sich die Möglichkeit, frei zu sehen und zu urteilen. Man lasse das Leben, dos wahreLeben.zu uns sprechen, es hflt uns so vieles zu sagen. Wir wollen alle die Wahrheit suchen, aber nicht uns einbilden. sie schon gefunden \ zu haben. Der Vereinsredner ' st kein Prediger, kein Dozent und kein Volksredner, — aber etwas von allen hat er wohl. Er bringe eine warme Begeisterung., «ine echte Liebe für sein- Aufgabe mit, und er wird ihr gerecht werden. ■? VI. I V in der Wahl des Themqs. .; . Für die Wahl des Themas gibt es keine Grenzen. Man kann aus jedem Baumaterial etwas Schönes und Solides Herstellen. Der Künstler muß aber die Natur des Materials kennen und es entsprechend behandeln. Jedes Thema will anders anzefaßt und anders gelöst werden. Der!Reiz des Vortrages liegt immer in der subjektiven Behandlung, nur darf dieses Subjektive nicht ins Uferlose gehen, eö muß sich selber durch den Charakter ‘ der Stoffes die natürlichen Grenzen setzen. Man sann aus jedem sozialen., historischen und literari chen Thema etwas gestalten, nur darf man nicht vergessen, in welchem Milieu man sich" befindet und in wel-