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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1917-11-01 · 5 (1.11.1917) · p. Seite 148

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
8 (1917)
Issue
5 (1.11.1917)
Date
1917-11-01
Page
Seite 148 (sequence 20)
Language
German
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— 148 — Bedeutung der Vorträge. Ob der Vortrag, psychologisch betrachtet, das Bedeutendste an den jugendlichen Zusammenkünften ist, mag sebr fraglich sein. Bedeutung aber hat er ohne Zweifel, wenn er seinem Berufe gerecht wird. Der Vorrrag soll belehrend und anregend, weiterbildend und vertiefend wirken und den Gedankenaustausch fördern. Er soll keine fertigen Wahrheiten geben, sondern Gedankenkomplexe. Er soll das Thema nicht erschöpfen wollen, sondern begrenzen, die Begriffe klären und zum Nachdenken anregen. Der beste Vortrag ist der. der orientiert, Meinungen auslöst und zum weiteren Nachdenken zwingt. Er soll das, was in uns lebt, an die Oberfläche fördern, um es, geklärt und bereichert, uns wiederzugeben. Er soll uns nicht die Lösung, sondern die vorläufige Bilanz des Gedankens geben. Eine ehrliche Bilanz zeigt, was man besitzt und — was noch fehlt. Der Vortrag soll daher, nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel geben wollen, er soll nicht zu eng und nicht zu weit gefaßt sein. Er kann nicht Wunder wirken, er kann nicht viel Neues geben, höchstens in der Form und kann doch sehr fruchtbar sein durch die Auslösung vorhandener Gefühle. Das Selbstverständliche durch die Vertiefung auf eine Höhe bringen, das Höchste durch die natürlichen Zusammenhänge zum Selbstverständlichen machen. — das kann und soll der Vortrag, wenn er sich nicht nur auf Kenntnisse, sondern auch auf eftie tiefere Psychologie stützt. Jeder Vortrag ist im -Grunde mehr Kunst als Wissenschaft. V. Vom Redner. Da die Aufgabe der Vereine eine selbsterzieherische ist, wollen wir hier einige Gesichtspunkte aus der psychologischen und praktischen Erfahrung heraus bieten, selbstredend ohne Direktiven geben zu wollen. Der Vortragende ist. wie schon das Wort ausdrückt, der Gedankenvermittler, nicht der Schöpfer. Er trägt aus der Fülle der Gedankenwelt, die Eigentum der ganzen Gemeinschaft ist, einen Ausschnitt vor. «eine Aufgabe ist die des Sammlers, des Formers. Er begrenzt sein engeres Gebiet, zeichnet den Rahmen und füllt ihn aus. Sein Verhältnis zum Hörer ist nicht das des Lehrers zum Schüler, sondern des älteren Kameraden zum jüngeren, des gut orientierten Mitgliedes zum weniger orientierten. Je geringer der Abstand zwischen ihm und seinen Hörern ist, desto wohltuender wird er wirken. Er soll auf die Hörer Rücksicht nehmen, aber nicht ihren -schwächen Rechnung tragen. Steht er geistig auf einem höheren Niveau, dann soll er nicht zum Publikum herabsteigen, sander neszu sicherheben. —

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