Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 5 (1.11.1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- Seite 144 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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— 144 — stündlicher Determinationen zu bekämpfen, Kraft und Zeit zu verschwenden, wo die Dinge klar und einfach liegen. In der historischen Stammesart, die durch die Religion vorgesehen, gestützt und ständig wieder gefestigt wurde, ist unser Wesen begründet. Gewiß, an und für sich würde es wenig bedeuten, wenn wir das Wort Jude als national oder religiös definieren, wenn wir doch beide Formen — der eine mehr, der andere minder — gewahrt wissen wollen. Schopenhauer war vielleicht der erste, der sich darüber lustig machte, daß die Juden Israeliten heißen wollen, obgleich es seit dem König Salmanasses glorreichen Angedenkens keine Israeliten mehr gibt! Und er meint weiter (in den Zusätzen über Schriftstcllerei und Stil), daß es nur am Bczeichneten liegt, nicht aber am Zeichen. Daher wird eine Aenderung dieses die Sache nicht bessern. Und doch liegt hier dem Worte eine starke Bedeutung bei. Im Gegensatz zum politisch und sprachlich national sich'absondernden Polen-, Dänen- und Franzosentum in Deutschland liegen der Judenheit und selbst den extremen jüdischen Nationalisten alle derartigen Tendenzen ferne. Die Interessen aller Parteien in unserer Gemeinschaft lausen zusammen in der Erhaltung unserer religiösen Stammesart (die Zugehörigkeit zur Kultusgemeinde und btej Inzucht sind Marksteine an diesem Wege). ZLeil wir dasselbe wollen,- hat Or. Felix Goldmann mit seiner Bemerkung in den .Reuen Jüdischen Monatsheften" (vom 10. 7. 1917) Rechl: „Die intellektuelle so boch entwickelte Judenheit leistet sich den eigentümlichen Luxus, bei der kleinsten und unbedeutendsten; politischen Angelegenheit Weltan - schauungskämpse auszusechten. Das mag für. unbeteiligte Zuschauer ergötzlich und interessant sein. Für das Judentum ist es aber ein Unglück." Nur der Kbilkebolitiker aus Krähwinkel lernt aus der großen Ze» nichts, nichts aus dem Leid der Völker, aus all den Ereignissen, die in ihrer Machtsülle täglich neue Tore zum Weg der Erkenntnis aufreißen und Fluten unbekannten Lichtes hereindringen lassen, daß alle Materie um uns her in neuen Tönungen und in neuem Leben widerspiegelt. . . . Und Walther Rathenau rindet dafür die Worte: „Wehe dem Geschlecht -und seiner Zukunft. wenn es den Laus seines Gewissens betäubt und beharrt in materieller Stumpfheit, in den Banden der Eigensorge und des Hasses." .... Im Felde. Juli 1917. Felix «. Theilhabec.