Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 5 (1.11.1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- Seite 142 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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— 142 — habe, entschloß sich seiner Zeit, zur Feststellung, daß den Juden .StammeSeigentümlichkeiten" anhaften. Er leugnet für die deutschen Juden eine jüdisch-nationale Art. Fraglos hat Lppenheimer methodologisch an den Kern der Lache gerührt. Die deutsche Judenheit ist ein Menschenmaterial, das sich noch im Ghetto national von dem umgebenden Volkstum streng abhob. Heute suchen große Teile deutscher Juden, sich kulturell, politisch und auch in ihren religiösen Anschauungen mit der mächtigen Umwelt zu vermischen. Die Angleichung der jüdischen Religion zu einer philosophisch ethischen Gesellschaft, der die Reformgemeinde und zu einem Teil Jünger Hermann Cohens zustrebcn, liegt in der Richtung dieser Bestrebungen. Aber letzten Endes sind alle restierenden religiösen Sonderbestrebungen der Juden wieder vol^sbildend, umsomehr als die Inzucht starke physische Bindungen schafft und die hierdurch und historisch erklärliche soziologisch-gesellschgftliche Struktur erst recht an einer immer wieder erstarkenden Eigenart arbeitet Diese zwei Tendenzen bekämpfen sich, wachsen/ nehmen zeitweise wieder ab und erscheinen dem einen Beschauer bald als stärker bald als schwächer. Wirklich methodologisch sind sie mathematisch unsatzbare Größen. Sie sind aber vorhanden. Und sie sind unleugbar. Sie kommen im dumpfen Fühlen Hunderttausender von Juden und Nichtjuden zur Erkenntnis, täglich wird der Gedanke ausgesprochen und täglich der Gesichtspunkt verschoben, je nachdem der einzelne das Gefühlsleben des Einzelnen mit dieser Gemeinschaft abrcchnet, mit ihr weiterleben möchte oder die Brücken abzubrechcn wünscht. So müssen auch wir — ohne jede Stellungnahme zu irgendeinem Parteiprogramm, ohne uns mit der Frage der Zukunft irgendwie zu befassen oder gar ihre Voraussetzung vorwegzunehmen — die Dinge werten. Es gibt im Leben Gemeinschaften, die im Stadium des Volkswerdens oder der Zersetzung sind, es gibt Gruppen, die sich stellenweise anlehnen und binden und da^ci doch noch Eigenarten aufweisen, die sie nicht abstreifen. Wie es Meyschen gibt, die tatsächlich vom Nationalen mehrerer Völker beeinflußt sin^. Gerade das Mittelalter zkitigte viele Künstler, Fürsten, Strategen, die recht verlegen gewesen wären, wenn man sie nach ihrer völkischen Zugehörigkeit gefragt hätte. Und ncch heute liegt die Frage bei dem König von Bulgarien, dem alten Gricchcnfürstcn und bei vielen verstorbenen Fürsten nicht so einfach. Der Knüppel liegt nicht immer' beim Hunde. Im großen und ganzen können wir von den Juden wissenschaftlich als einer Stammesgemeinschaft sprechen, von einer religiösen Blutsgemeinschaft, wobei wir nie vergessen dürfen, ^aß der Religion klassenbildende Momente anhaften. Das Wort national, das im Kampf mit den Alldeutschen den Juden s»° viel Unglück gebracht hat, aus die deutschen Juden angewandt, läßt sich