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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1917-11-01 · 5 (1.11.1917) · p. Seite 140

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
8 (1917)
Issue
5 (1.11.1917)
Date
1917-11-01
Page
Seite 140 (sequence 12)
Language
German
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— 140 — Wie liegen nun m Wirklichkeit Die Verhältnisse k Untersuchen wir einmal eine Kategorie von Menschen» Die m Der Welt Derzeit eine große Rolle spielen. Die bekannten JuDen Schiff. Strauß, Morgenthau. Beils. Marburgs in Newyork. Von Geburt aus Deutsche, würben sie. Der eine früher. Der andere später, amerikanische Staatsbürger, kamen sie m Den Kulturkreis unD in Die Sprachwelt Der U. S. A.. Deren politische nnD soziale Interessen sie wesentlich teilen. Stellenweise erinnern sie sich mehr oder minder der jüdischen Probleme und suchen auch mit diesen Fühlung zu nehmen. -Wie weil ihre Erinnerungen. Handlungen. Tenkprozesse. ja ihre körperliche Entwicklung vom Milieu und Abstammung bedingt sind, läßt sich für Den einzelnen Fall wissenschaftlich schwer nach-' weisen. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir allen Einflüssen ein gewisses Recht einräumen. Ter Mensch. läßt sich eben nicht immer genau katalogisieren. Keine Methodik Der Wissenschaft kann heute genau Die Abgrenzung zwischen allen Bezirken vornehmen. Ver-rbbare Wesenszüge stehen in buntester Wechselwirkung mit Faktoren eines Kulturkreises, in welches Das Individuum eben hineinverseht wird. Im Leben verschwinden oft die krassen Farben, es gibt Uebergangsformen. welche die Eigenarten miteinander verbinden. Die deutschen Juden stellen eine Gemeinschaft dar, die in der Kultur des deutschen Lebens stark von den Vorgängen des täglichen Lebens berührt werden müssen, tausendfach von dem deutschen Wesensgehalt beeinflußt werden, wenngleich sie aus ihrer Abstammung, aus dem reichen Fonds der Erbmasse Werte schöpfen, die unzweifelhaft einem besonderen, dem jüdischen Kulturkreis entstammen. Wer nun diese Eigenart ertöten will, der muß die Familien-bande. die Inzucht aufbeben, damit die Anpassung des einzelnen Individuums durch die Einflüsse des Blutes nicht gestört werden. Er muß die gesellschanlichen. ethnographischen und kulturgeschichtlichen Mächte, die in der jüdischen Religion stecken, paralysieren und entfernen. Er muß alle soziale Sonderitellung ausschalten und verdrängen. Und tatsächlich haben wir Juden, welche die Tendenz verfolgen, die Juden voll und ganz ihrer Eigenart zu entkleiden und ihnen nur noch eine Art jüdischer Religion zu lassen, deren „blutleerer Begriff" (Eduard Bernstein) niemals lebensfähig sein wird, da in dieser Religion alle Erinnerungen des Volkstums, alle sozialen Vorschriften, die irgendwie für den Augenblick unbequem sind, alle geistigen Grundlagen, die im hebräischen Schriftstück bestehe«,-ausgetilgt werden. Eigentlich sind diese Anhänger der Reform Anhänger des Deismus resp. Pantheismus, den schon Schopenhauer für eine höfliche Form des Atheismus bezeichnet. Sicher kann man diesen Religionsgemeinden das Recht streitig machen, daß sie lisch auf dem Boden des -wirklichen Judentums stehen, es gibt keine solche mosaische Konfession, sondern nur eine festumrissene jüdische Religion.

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