Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 5 (1.11.1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- Seite 139 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— 139 — -es Bewußtseins der Nichtjuren." Theodor Herz fnalig diesen Gedanken Worte ist der sich immer entfaltende und vornehmste Schatz des Volksgedankens, -cs Volksseins und der Vol stradition. Sie gleicht ^ider Kraft des Volksgcdächtnisses und bestimmt die Individualität der Nation." Wie stark volksbildend d e Macht der Sprache ist,! sieht jeder, der die» jüdischen oder spaniolisch sprechenden Judcngemeinden kennen gelernt hat. Wenn deren Nationalität voll jüdischen Autoren und von verstiegenen Sozialisten. wie Kautsky. geleugnet wird, so geschieht da? aus dem Wunsche, die jüdischen Massen des Ostens sollten sich überall, analog der Entwicklung der Dinge in Deutschland, assimilieren. Es giök nun eine Richtung von jüdischen Schriftstellern, velche ähnlich wie die Religionswissenschaftler. philosophisch gerichtet, die Einheit des Judentums Vartun wollen. Ihr' jüngster Apostel, vr. Sigiert Feuchtwangex^ kommt in seiner Deduktion zur Behauptung: «Den Juden gehen alle objektiven Merkmale sonstiger Völker (Land-, Blut?-, Sprach-, Art- und Kulturgemeinschaft) ab; aber die Juden sind eine Na ion kraft ihres eigenen Bewußtseins und kraft I hat vielleicht erstverliehen, wenn er den Ergriff der Nation so die erkennbar 'zuformuliert: „Nation ist ein: Gruppe von Menschen, sammengehören und durch einen' gemeinsamen Feknii zusammengehalten Werden." Beide Faktoren: der Wille des Juden, ein Volk zu sein, lind das Bewußtsein der andern muß doch irgendwelche objektiven Unterlagen haben, wenn nichts bloße politische Konstellationen diesen Willen hcrvorzaubern. Ganz haltlos wäre die gemütliche Stimmung, wenn nicht Tatsachen, die wir bis jetzt noch nicht richtig definierte», fern aller romantischen Vorstellungen über die zeitliche Seelenkontengnce hinaus objektiv verankern würden. Eine grtße Masse kann sich nicht plötzlich einbilden: wir wollen ein Volk sein. Triefe Idee muß für sei» immanentes Sein Grundlagen haben: entwedev eine sprachliche, eine territoriale oder eine kulturelle Basis. ^Das Bewusstsein allein zaubert keine Nationalität hervor —i^nd entläßt den Menschen nicht aus seinem Volkstum. 'Das Bewußtsein ist astd Gefühlen. Anders stebt es mit Nationali- Jnsbesondere wo z. B. sprachliche Differenkann ihre Existenz nicht ohne weit« res geleugnet werden auf dcs Zusammengehörlgkeitshewußtsein verlassen tragen von Stimmungen u rfiten, die objektiv solche sind, nerungcn vorhanden sind Wenn wir uns wollten, wäre unsere Gemen schaft in der kürzesten Zeit zersprengt. zwar besonnderen Tatbestand des Einsseins kraft de» Was liegt an der Terminologie? Vorerst Feuchtwanger sagt haben wir für diesen eigenen Bewußtseins gnd des! Bewußtseins der anderen keine besseren Begriffe als „Nation" odssr Voll I . Also behalten toijj sie bei, aber hüten niir uns. daß der Begriff uns nicht die ihm gewöhnlich zugehörige inhaltliche Vorstellung aufdrängel" Nach dieser Deduktion ne sme ich niemand übel, wenn er diese „wissenschaftliche Grundlage", welch« seine Zugehörigkeit zur jüdischen Nation darlegen soll, für mangelhaft erklärt.