Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 5 (1.11.1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- Seite 138 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 138 — längst die Assoziation von Wollust. Religion und Grausamkeit die Menschheit ausmerksam auf ihre innige Verwandtschaft und gemeinschaftliche Tendenz gemacht hat." 1 Diese Erklärungen zeigen, daß die Religionsgemeinschast. die ihren Einfluß Jahrhunderte hindurch auf eine — und bei uns Juden auch wohl völkisch stark differenzierte Eigenart — Bevölkerungspolitik ausübt. Wirkungen in den Individuen erzeugt, die über das eine konfessionelle Gebiet hinausgehen. Auch wenn wir von dem Rassenmoment absehen, das durch die Vererbung bedingt ist. und das uns Juden tausendfältig von der Umgebung abhebt, finden wir eben überkommene Eigenarten, die der Zionist als national ausdrückt und für die der Nur - Religionsjude die Darlegung ablehnt. Fraglos stecken also jn jeder Religion, insbesondere aber in der jüdischen Religionsgemeinschast „nationale" Werte. Gleichwohl zeigt das Wort national meistens eine Sprachgemeinschaft an. Zwar der nordamerikanische Neger und der großbritannifche Irländer ist kein nationaler Engländer, wenn alle drei auch englisch als Muttersprache sprechen. Aber Ular hat zweifellos recht, wenn er dem Sprachgefühl in der politischen Geschichte der Menschheit nachrühmt» daß eS ebenso mächtig ist wie das Rassengefühl. „Leute, die dieselbe Sprache sprechen, bilden sich ohne weiteres ein, sie verständen sich. Gleiche Sprache ist ihnen ein Zeichen nationaler und. wenn sie noch dümmer sind, rassischer Zusammengehörigkeit. Wären die amerikanischen Negerdie nur englisch können, nicht so gräßlich schwarz, man würde sie nicht nur moralisch als gleichberechtigte. Bürger der Vereinigten Staaten, sondern als Mitglieder der so sehnsüchtig herbeigewünschten Dankeerasse behandeln. Wo Rasseigefühl und Sprachgefühl nicht in allerschlimmstem Gegensatz zu einander stehen, verstärken sie sich gegenseitig zum Nationalgefühl." Ausnahmen gibt es natürlich von dieser Regel in vielfältiger Weise. So zeigten wir auf die Irländer hin. die erst neuerdings zu ihrer alten Sprache, die ebenso wie das Hebräische so gut wie ausgestorben war. zurückstreben. Der Nationalkampf der Völker ist nach Mommsen meist der Kampf verschiedener Sprachgemeinschaften. Jn dem bunten Oesterreich z. B. ist die sprachliche Verschiedenheit das einzige Stigma des Nationalen. Und das fast Komische dabei ist, daß bei allen Völkern ein großer Prozentsatz der Führer fremdsprachige Namen führen und zumeist den Nationen entstammen, die sie am stärksten bekämpfen. Alexander Ular räumt auch der Sprachgemeinschaft als einer Gemeinschaft große Bedeutung bei. »Sie ist ein zum physischen Wohlsein jedes ihrer Mitglieder individuell Nötiges." Dabei begegnet er sich mit dem Standpunkt des hebräischen Dichters N. Bialik. der auf der lehrreichen Kulturkonferenz in Moskau vom 10V2Ü. April 1917 zum Sprachproblem das Wort nahm: »Zwischen Nation und Sprache existiert derselbe untrennbare organische Zusammenhang, wie zwischen der Pflanze und dem Prozeß des Wachstums. Nicht nur am Anfang war das Wort, es ist auch am Ende des Seins. Die Sprache allein