Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 5 (1.11.1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- Seite 137 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 137 — verschieden beurteilt, lieber deue Meinungen haben, die diesen Vermischungsprozeß kann man verschiehistorische Forschung läßt uns über die Größe. der Assimilation im Stich. Aber schließlich gibt es ja bekanntlich überhaupt mir ganz wenige Völker, die keinen Einschlag fremder fassen zur Zeit ihrer Bildung oder im Verlaus ihrtr Geschichte erfahren Habers. Insbesondere hat >»m Beispiel das deutsche men, in der Mark, also im beute die, letzten selbständigen Volk unendlich viel keltisches Blut aufgenom- Herzen des preußischen Staates, werden noch Reste des Slawentums, di i Wenden, germanisiert und die Vermischung mit Polen und Hunderttausenden anderer Eingewanderter geht heute noch täglich vor sich. Alexander Ular schreibt bierzn: „Deutsche sehen in ihrer. Nation die organisiert: germanische Rasse, und das komischste ist, schwarzhaarige, braunäugige Abkömmlinge irgendeiner fragwürdigen domo »Ipinug stimmen darin jubelnd ein." Ja das amerikanische Volk ist das tollste Mixtum compositum, das man sich denken kann, und^ nieiiiand wird lden nationalen Charakter der Bewohner der Vereinigten Stäaien deshalb befreiten wollen. Trotzdem konnte der fremde Einschlag die Wesensrichtung der Juden nicht so sta:k überwuchern, daß ihre Stammesgenossenschast Me völkische Eigenart irgendeiner anderen Nationalität angenommen hätte. Tie spanischen Juden sind trotz der Annahme dieser Sprache und der etwaigen Vermischung keine reinen Spanier geworden, die russischen Juden seine Slawen. Abgesehen davon, daß die Beimengungen fremden Blutes in der großen Menge absorbiert wurden, haben die kulturellen.und sozialen Eigenarten der jüdischen Gemeinsckaft die Momente, welche einer Zersetzung des jüdischen Timbres zustrebten, paralysiert. Solange Religionen und Konfessionen nicht nur Systeme rein spekulative» Denkens sind, fördern sie durch die Beziehungen zum täglichen Leben, tum Verhalten des einzelnen in raufend Dingen, ein besonders nüanciertes?u» und Treiben. Aber auch die besondere Vorstellung transzendentaler Tinge muß Eindrücke auf die Psyche vorrufen.* Die Moral, die in einem Volk herrscht und webt, läßt n chi nur Ausstrahlungen au physischem, sondern auch auf sozialem und intellektuellem Gebiet zurück, weche mit der Zeit zu einer eigenen Färbung führt n. Umsomehr auch diese difficilsten geistigen Regungen an Eigenart gewinnen, wenn sie durch Generationen hindurch wirken, wenn Ahnen und Eitern unter demselben geistigen Druck standen und wenn diese Vererbung und Ueberlieferung nicht d^trch die Eingemeindung größerer Fremdrassen ausgehoben wird. Wie stark die innerliche Berührung religiöser Vorstellungen mit anderweitigem Denken ist. lehrt de moderne Psychologie. Uber schon ein alter, deutscher Denker, der gewiß sanfte ISI o b a I i 8 schrieb untnal: „Die christliche Religion ist die eigentliche Religion der Wollust. Die Sünde ist der größte Reiz für die Liebe dir Gottheit, je sündiget der Mensch sich fühlt, desto christlicher ist er. Unbedingte Vereinigung mit >er Gottheit »st der Zweck der Sünde und der Liebe Es ist wunderlich genug, daß nicht t