Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 5 (1.11.1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- Seite 133 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 133 — Epochen scharf Umrissen, sondern auch — was keinem vor ihm, nur wenigen nach ihm gelungen ist — eine jüdische Geschichte geschrieben. die zum ersten Male aus der jüdischen Eigenart heraus ohne Rücksicht auf das Urteil der Außenwelt dargestellt war. Der hinreißende, wenngleich bisweilen von sprachlichen Unmöglichkeiten nicht freie Stil, packte den Leser, der, überwältigt von dem Gefühl des Selbst^rlebnisses, das aus jeder Zeile sprach, in innerster Stzele erschüttert, sich willig der Führerschaft düs Autors auf der langes Wanderschaft de§ i sche Geschichte! nicht sammlung zu schaf- Judc „der jüngst? hätte er diese ganze jüdischen Volkes anvertra rte. Daß Graetz die jüdi mit dem Seziermesser analisierte, keine Herbarien! sen bestrebt war, sondern gleichsam wie der ewige Bruder der Zeit" durch Zeit und Rauni strich, als unvergleichliche Tragödie miterlebt und selbst erschaut, bildet das Geheimnis seines beispiellosen Erfolges. „Er rpar unter Wundern und Plagen aus Aegypte r gezogen, er hatte an den Strömen »Babels geiveinß mit den Sklaven des Römers, mit 'den!Helden Judäas im Lriumyhzuge des Titus betten getragen, die Martyrien aller Länder iiiitgelitten, die Metzeleien und Ausschlachtungen der Kreuzzüge und des schwarzen Todes erbleichend und erbebend anschcn müssen, mit--, gejagt jn allen Verfolgungen — ein teilnehmender Zeuge aller Aus- ' neibunhen, der aber auch aus den Katastrophen dos Mittelalters, und aus denjBlutbädern der Neuzeit, wie sie Bogdan Chmielnicki, kosakischcn Angedenkens, angerichtet hat, das Leben seines Volkes gleich dem Phönix! aus tausend Toden neuverjüngt hervorgehen sah. Er hatte , aber aüch mit Moses gewnnert, mit König Thvid psalmodiert, mit Philo glegrübelt, mit Jehuda Halevy geschwärmt, mit Spinoza sich in's All versenkt und unter Tränen gelacht, überall iy der Verschiedenheit ' die Einheit, in der Buntheit der Erscheinungen das geheimnisvoll wirkcnae Gesetz erlauschcr:b und erahnend".*) Dieses Erleben der Geschichte ist's, was überall dort, wo der Boden für jüdische Interessen reif toojr; vielstimmigen 'Widerhall fand, was auch dort, wo das Verständnis und Interesse zu schwinden begannen, immer wieder neue Begeisterung für das Judentum weckte und wecht, die Belebung der morscher Gebeine erwirke und Graetz' Werk zu chnem wahren Volksbuchc gemacht hat. Ein Maßstab dafür ist die D^irkung auf die-Ostjuden, unter denen eine ganze Generation an de!r hebräischen Ueber- *) David Kaufmann ,tz. 6>r aetzin gesammelte Schriften David Kaufmann» tASrani* Bd. 1 6.! 76/77.