Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1917-11-01 · 5 (1.11.1917) · p. Seite 134

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
8 (1917)
Issue
5 (1.11.1917)
Date
1917-11-01
Page
Seite 134 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4926451-6352295-6352418--1344-4927442
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

— 134 — setzung der Graetzschen Geschichte herangebildet wurde, und'wo sie noch heute als das beste Erziehungsmittel in Gebrauch steht. Außer seinem Hauptwerke entfaltete Graetz besonders auf dem Gebiete der Exegese, die er auch an der Universität in Breslau vortrug. eine reiche schriftstellerische Tätigkeit, die in entsagungsvoller Arbeit eine reiche Ausbeute von Details zutage gefördert hat. Doch weder damit, noch mit seiner Lehrtätigkeit am Breslauer Rabbinerseminar ist das Bild seiner Persönlichkeit ausgeschöpft. Er war das Muster eines begeisterten Juden, der, über den Parteien stehend, sich nur von der Liebe zu seiner Gemeinschaft bestimmen läßt. Weder in den Bahnen.seines Lehrers Samson Raphael Hirsch wandelnd, dessen „Neunzehn Briefe über das Judentum" ihm einst in der Jugend das Evangelium bedeutet hatten, noch weniger ein Freund des Liberalismus und der Reform, glaubte er bei aller tiefreligiösen Grundstimmung seiner Seele und trotz seines unverbrüchlichen Bekenntnisses zum Deutschtum an die unbedingt nationale Wesenheit des Judentums. Für ihn standen die Lehre Israels, das Volk Israel und das Land Israels „in einem magischen Rapport", und er erhoffte in später Zukunft auch die politische Regeneration der jüdischen Nation in ihrer Urheimat, Palästina. Gleichwohl war er keineswegs Zionist im heutigen Verstände dieses Begriffes, und es scheint mir zweifelhaft, daß er sich einer solchen Bewegung angeschlossen hätte, denn seine Absage an die Eboveye-Zion in Rußland, deren Organisation er kurze Zeit angehörte, noch ryehr seine Acußcrungen in der Polemik mit Trcitschkc, sprechen eher dagegen als dafür. Nach allem, was man aus seinen Schriften und den Bekundungen seiner Schüler darüber weiß, darf man ihn wohl seinen „Nationaljuden" nennen. Aus Begeisterung mehr denn als! aus wissenschaftlichem Drange hatte er mit zwei Freunden eine ^alästinareise unternommen, er war nach dieser Reii'e für die Erziehung der Waisenkinder im heiligen Lande hingebungsvoll tätig, er liebte und pflegte mit heiliger Verehrung die hebräische Sprache.*) Eine gottbegnadete Persönlichkeit, die in rastlosem Schaffen ihrem Stamme und seinem Geistesleben sich weihte, die von starkem Gottvcrtrauen erfüllt, alle Kraft daran setzte, um dev beängstigenden Gleichgültigkeit unter den Juden durch die Vorführung der eigenen Schick- BucheS. *) Ausführliche! über Graetz' Stellung zu den Tagesfragen im IV. Kapitel meine»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.