Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 5 (1.11.1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 131 fertigte diesen Eindruck in vollkommener Weises Nicht Zufall war es. der Graetz veranlaßte, zuerst die talmudifche Aitepoche zum Gegenstände der Darstellung zu wählen. Aus der Füll« des Stoffes, den er bereits bei einer früheren Gelegenheit in wohlgeordneter Disposition gegliedert hatte *) — eine treffliche Probe seiner tieferen Erfassung der jüdischen Geschichtsprobleme und ihrer Zusammenhänge — konnte ihm ohne weiteres die Wahl jener Periode, welche das Wirken der der Mehrzahl der Juden wohlvertrauten Gesetzeslehrer enthielt, und welche gleichzeitig seinen Studien am nächsten lag, am glücklichsten erscheinen. Staunend betrachtete die aushorchende Mitwelt dieses Gemälde, das mit seltener Beherrschung des Materials, vortrefflicher Kombinationsgabe. scharfsichtige^, Spürsinn, geistvoller Konfwuktionsfähigkeit iw fesselnder Art die reichbewegten Geisteskämpfe jener Tage veranschaulichte. Wie da aus dem Labyrinth der Ereignissc die führenden Pbrsönlichkeiten in scharfumrisscnen Konturen hervortreten und in einer der Schrift, als dem auf der. Bildfläche das geistige^ Leben den Urchristen, die Sprache, die nicht so sehr dem heiligen Wortschatz modernen Buch- und Zeitungsstil entliehen wari, auftauchen, die Wirksamkeit der Tannaiten aus der Nation, die Stellung der Zeitgenossen zu Sektenbewegungen, der Barkochbaausstand, di: Amor^ier als die Schöpfer der Gemara in Babylonien und Palästina, die Bedeutung der beiden Talmude, besonders des babylonischen, war, der sie (die Juden) vor Fäulnis bewahrt^, die stetsbewegende Kraft, welche die Trägheit und Lähmung überwand, ein ewig sprudelnder Quell, der den Geist immer frisch und regsa n erhielt. .... mit einem Worte der Erzieher des jüdischen Volkes . . . ."**), das alles war, getragen von einer staunenswerten Fülle von Gelehrsamkeit und einer geradezu überschw:llenden Kraft der Darstellung, mit einem für seine Zeit ^starken Wagemut und meist mit einer von vorfühlendem Ahnungsvermögen gestützten Treffsicherheit in eine ganz eigenartige neue Form gegossen, die von den üblichen Gelehrtenschriften! deutlich abstach. Trotz aller durch die Kritik und spätere Forschung auf^ezeigtcn Lücken übten das Maß des wissenschaftlichen Köstnens. das da in den Noten zusammengetragen war, die überraschendest Konjekturen, welche „den Urwald beider Talmude lichten" halsen, di? seltene! Kunst'über- *) .Tie Konstruktion der önteressen der JndentornS' 11 **) Graetz. Geschichte IV, j üdifchen Geschichte' in Frankel» .tzeitschrist für die religidse» tiS.! 5. 411/12.