Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 8 (1917)
- Issue
- 4 (10.9.1917)
- Date
- 1917-09-10
- Page
- Seite 116 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4926451-6352295-6352416--1325-4927424- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 116 — Reifen und hcranreifendcn Menschen kann man keine fertige Betehrung, sondern n n r A n r e g » n g geben. Sie sollen selber denken und ans inneren und äußeren Erfahrungen ihre Kenntnisse bereichern. Diese Anregung kann man aus verschiedenen Wegen finden. Durch gemeinsame Lektüre, durch eine fruchtbare Unterhaltung, durch Hintenknng aus ein gutes Buch, einen guten Aussatz, durch die Erörterung eines gesunden Gedankens kann man einander viel geben. Der Verkehr m i t den V e r e i n s m i t g l i c d e r n draußen im Felde muß lebhaft bleiben. Sie sind die Pertreter der jüdischen Jugend draußen, wir warten aus sie freudigen Herzens und auch sic hoffen, bald wieder mit uns gemeinsam arbeiten zu können. Man schreibe ihnen hänsig aus den Vereinssitzungen, man lese ihre Briefe hör, und unwillkürlich werden sich Bande bilden, jii- 'disclx' Gedankengemeinslhafton, die sie mit uns verbinden. Schil- Gerungen von Erlebnissen, von jüdischen Feiern im Felde, Erfahrungen innerer und äußerer Natur können psychologisch ungemein wertvoll werden und anregend wirken. M an leie vor allem regelmäßig und gründlich alle A r t i k e l u n s e r e s V e r b a n d s o r g a n s. Jede erörterte Frage kann den Gesichtskreis erweitern und den Bestrebungen des Vereins gute Dienste leisten. Wo irgend möglich, sollen kleinere und größere Vort r ä g c gehalten werden. Am besten aber ist es, wenn die Mitglieder sich selber z » Vorträgen erziehen. Es ist dies nicht gar zu schwör. Man sei schlicht und natürlich und suche, seine Gedanken über irgend eine Frage, nach Empfang und Anregung durch Bücher oder Nachdenken, zu ordnen und wicdcrzugeben. Z u m R e d e n i sl j e d e r b e r n s e n , wenn er will und sich einige Mühe gibt. Man sei in der Wahl der Vorträge aktuell im gute» Z i n n c. Man behandele mit Vorliebe die Fragen, die uns durch die Zeitereignisse am nächsten liegen. Aber man suche keine gewaltsamen Verbindungen, keine künstliche Sensationshascherei. ■ Die Vorlesung guter Gedichte kann sehr wirksam sein. Nur darf man nicht zu viflc mit einem Male vorlesen. Man lese schlicht und innig, ohne Affektierung. Bei der Auswahl ziehe man solche Gedichte .vor, in denen ein wirkliches echtes Gefühl spricht. Man vermeide die Haßlieder, die gänzlich unjüdisch sind und auch nicht dem